Johann-Amos-Comenius-Club Sachsen: „Vergeben und Vergessen? – Warum DDR-Unrecht im Bewusstsein bleiben muss“

In diesem Jahr haben wir uns als Veranstal­tungsort des Johann Amos Comenius-Club Sachsen zum Tag des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 ganz bewusst für die alte Resi­denzstadt Torgau entschieden. Torgau ist die Wiege der Reformation vor 500 Jahren, aber auch der Ort der Wehrmachtsjustiz, des Spe­ziallagers der sowjetischen Besatzer und des DDR-Strafvollzugs sowie des berüchtigtsten Umerziehungsheimes der ehemaligen DDR.

Der Geschlossene Jugendwerkhof wurde 1964 eröffnet und dem Ministerium für Volksbil­dung unterstellt. Dieses Umerziehungsheim für Jugendliche war eine Maßnahme von vie­len, nach der Niederschlagung des Volksauf­standes Anfang der 1950er Jahre, allen klar zu machen, wer in diesem Staate das Sagen hat. Denn der Aufbau des Sozialismus durfte unter keinen Umständen gefährdet werden. Oppo­sition sollte bereits im Keim erstickt werden. Wer sich aufmüpfig gegen den Staat zeigte, bekam im Geschlossenen Jugendwerkhof Tor­gau das Grauen gelehrt. Rebellischen Jugend­lichen sollte systematisch der Wille gebrochen werden. Sie wurden weggesperrt, „geschlif­fen“, gedemütigt, mit aller Härte umerzogen. Es herrschte Willkür und Unterdrückung. De­mokratie und Rechtsstaat: Fehlanzeige. Die Straf- und Erniedrigungsmaßnahmen haben bei den ehemaligen Insassen tiefe körperli­che und seelische Spuren hinterlassen. Noch heute können viele von ihnen nicht an den Ort der Geschehnisse zurückkehren.

Hat die Bedeutung der Erinnerung an das DDR-Unrecht und die Aufarbeitung der Ver­gangenheit heute noch den Stellenwert, den sie verdient? Oder ist uns die mit der Friedli­chen Revolution erkämpfte Freiheit, Rechts­staatlichkeit und Demokratie schon zu selbst­verständlich?

Fragen, die wir gern mit Ihnen gemeinsam dis­kutieren wollen. Dazu lade ich Sie sehr herz­lich für Sonnabend, 17. Juni 2017, 14.00 Uhr, in das Schloss Hartenfels, Eingang D, Großer Mehrzwecksaal, Schlossstraße 27, 04860 Tor­gau ein.

Es freut mich, dass wir Ihnen zuvor die Gele­genheit zu einer Führung in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau anbie­ten dürfen. Bitte beachten Sie dazu die Hin­weise auf der beigelegten Rückmeldekarte. Zu­dem können Sie im Schloss gegen Vorlage Ihrer Einladungskarten an diesem Tag kostenfrei die Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden „Torgau. Residenz der Renaissance und Reformation“ sowie eine Sonderausstel­lung des Landratsamtes Nordsachsen zum Bau und der Nutzung des Schlosses besuchen.

Programmpunkte

Begrüßung:

  • Frank Kupfer MdL, Vorsitzender der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Staatsminister a.D

Referent:

  • Werner Schulz, DDR-Bürgerrechtler, ehemaliger Bundestags- und Europaabgeordneter

Podium:

  • Gabriele Beyler, Vorstandsvorsitzende der Initiative Geschlossener Jugendwerkhof Torgau e.V.

  • Heinz Galle, Stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus Landesverband Sachsen, ehemaliger Insasse des Arbeitslagers Unterwellenborn 
  • Werner Schulz, DDR-Bürgerrechtler, ehemaliger Bundestags- und Europaabgeordneter

Moderation:

  • Frank Kupfer, Vorsitzender der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Staatsminister a.D.

Schlusswort:

  • Steffen Flath, Vorsitzender des MDR-Rundfunkrates, Staatsminister a.D.

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