Ortstermin

IDYLLE IM SCHATTEN DER BAGGER

Der Tagebau »Vereinigtes Schleenhain« prägt die Landschaft im Süden von Leipzig. Die CDU-Fraktion hat sich vor Ort ein Bild von der Rekultivierung vor, während und nach dem Abbau gemacht.

Grüne Wiesen, blaues Wasser, badende Menschen. Nichts erinnert am Großstolpener See mehr an seine Vergangenheit. Dort, wo jetzt Kinder ins Wasser rutschen, klaffte einst eine riesige Braunkohlegrube wie ein hungriger Schlund – heute ein Badesee. Bei sommerlichen Temperaturen wirken die förmlich gekleideten Abgeordneten der CDU-Fraktion hier etwas fehl am Platz – ein älterer Herr in Badehose ruft fröhlich: »Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, also raus aus dem Anzug und ab ins Wasser!«

Frank Kupfer, Georg-Ludwig von Breitenbuch und
Marcel Schmidt beim fachlichen Austausch (v.l.n.r)

Die CDU-Fraktion will sich ein Bild darüber machen, ob und wie die Renaturierung der Landschaft nach Beendigung des Kohleabbaus funktioniert. Ob es Probleme gibt oder nur glückliche Gesichter, wie die des älteren Herrn und alles, was das Herz begehrt. Fakt ist: Jährlich werden in Schleenhain bis zu elf Millionen Tonnen Kohle gefördert. Das ist ausreichend, um etwa 3,6 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen und gleichzeitig die Stadtwerke Leipzig, die wiederum 60 Prozent der Stadt mit Fernwärme beliefern. Der Betreiber des Tagebaus, die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (MIBRAG), beschäftigt 3.600 Mitarbeiter und ist ein lukrativer Arbeitgeber in der Region. Fakt ist aber auch: Vier Orte wurden bereits devastiert, um den Braunkohleabbau im Tagebau Schleenhain voranzutreiben. Sogar eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert wurde versetzt. Die MIBRAG bemüht sich deshalb um die Wiedernutzbarmachung der Abbauflächen. Dazu ist sie gesetzlich verpflichtet. Pro Jahr wird allein eine Million Euro in die Wiederbegrünung gesteckt, mit der Rekultivierung sind 35 Mitarbeiter beschäftigt. Dabei ist es wichtig, die Landschaften ganzheitlich zu planen. So entstehen am Reißbrett Obst- und Getreidefelder, Seen und Wälder. »Das ist eine beeindruckende Entwicklung«, sagt Georg-Ludwig von Breitenbuch, Abgeordneter der CDU-Landtagsfraktion und selbst Landwirt. »Mit großem Fachwissen wird hier geplant und neue Naturlandschaften entstehen.« Auch die neue Bodenstruktur ist für Breitenbuch spannend: »Bei allen Problemen, die sie mit sich bringt«. Noch ahnt der Abgeordnete nicht, dass ihn das Thema an diesem sonnigen Tag intensiver beschäftigen wird. 

Für Marcel Schmidt, Geschäftsführer einer bei der MIBRAG eigens für die Renaturierung verantwortlichen Tochtergesellschaft liegt der Erfolg auf der Hand: Allein der Freizeitpark Pirkau mit seinem »Mondsee« ist ein gern besuchtes Naherholungsgebiet. Die renaturierten Flächen werden auch an Biobauern verpachtet oder beforstet. Dafür nimmt man sich Zeit: Acht Jahre braucht eine Fläche zur Rekultivierung, bis sie für die Landwirtschaft genutzt werden kann. »Wir managen die Flächen im Sinne der Landwirte, denn das sind die Betroffenen«, sagt Schmidt. 

Doch nicht alle Betroffenen sehen das Management als erfolgreich an. Bei einem anschließenden Gespräch am Zwenkauer See meldet sich ein Landwirt zu Wort: »Die Böden sind mit natürlichen fruchtbaren Böden nicht vergleichbar«, beschwert er sich. Die Wiedernutzbarmachung sei nicht wirklich erfolgreich – der Erfolg eine Farce. Schnell wird man sich kümmern. Georg-Ludwig von Breitenbuch wird beauftragt, einen Dialog zu schaffen, zwischen MIBRAG und den Landwirten. Er soll außerdem Experten einladen, die Bodenproben nehmen, auf deren Grundlage weitere Gespräche stattfinden. »Zwar hat die MIBRAG dem neu aufgetragenen Boden sogar noch Substrat beigemischt – so müsste er eigentlich besser sein als jeder Mutterboden«, meint Fraktionsvorsitzender Frank Kupfer. »Aber ein künstlicher Boden ist immer ganz anders als einer, der sich über viele Jahre natürlich entwickelt hat.« Er fügt hinzu: »Wir sind hier, um den Kontakt zur Basis zu haben, und wenn die Basis unzufrieden ist, dann müssen wir etwas tun«. 

Fotos: MIBRAG/R. Weisflog; Pascal Ziehm

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