Bürgerfragen

Wie wird ausgewählt, wer aus der Fraktion sich mit einer Rede in einer Landtagssitzung äußern darf?

(Diana, 38, Pirna)

Ines Springer gehört als Schatzmeisterin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand an. Außerdem ist sie Mitglied des Präsidiums des Sächsischen Landtages.

Alle Abgeordneten haben das Recht, im Parlament und in den Fachausschüssen, denen sie als Mitglieder angehören, das Wort zu ergreifen. Das Präsidium des Sächsischen Landtages legt die Tagesordnung für die Plenarsitzungen und die Redezeiten für die Fraktionen fest.
Welcher Abgeordnete zu den einzelnen Tagesordnungspunkten spricht, wird in unserer Fraktion je nach Thema dem jeweiligen Fachpolitiker zugeordnet oder einem Mitglied des entsprechenden Facharbeitskreises der Fraktion. Der zuständige Wahlkreis-abgeordnete kann darüber hinaus das Wort ergreifen, wenn die Plenardebatte einen regionalen Bezug hat.
In der aktuellen Debatte darf die Redezeit von fünf Minuten pro Beitrag nicht überschritten werden. Der Redner kann mehrfach das Wort ergreifen und muss frei – also ohne ein ausformuliertes Redeskript – sprechen.
Alle Abgeordneten dürfen sich mittels Kurzintervention oder Zwischenfrage an den Debatten beteiligen. Eine Zwischenfrage wird vom Präsidenten nur genehmigt, wenn der Abgeordnete zustimmt – eine Kurzintervention kann nur nach Abschluss des Redebeitrages erfolgen. Es ist möglich, dass sich zu einem Tagesordnungspunkt mehrere Redner einer Fraktion im Plenum äußern.

Warum hat Sachsen sich eine eigene Verfassung gegeben?

(Lutz, 58, Weißwasser)

Marko Schiemann ist ein Abgeordneter der ersten Stunde. Für sein Mitwirken an der Sächsischen Verfassung wurde er 2014 mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet.

Sachsen ist in der geschichtlichen Entwicklung ein bedeutender Staat. Es hat eine über 900-jährige Staatstradition und ist damit eins der ältesten Territorien mit verfasster Staatlichkeit in Deutschland. Nach den erlebten Diktaturen im 20. Jahrhundert war es der Wunsch des sächsischen Volkes, wieder eine eigene Verfassung zu bekommen. Das war auch der Grund für uns, eine Vollverfassung mit Grundrechten und Staatszielen zu erarbeiten. Außerdem wollten wir die Anliegen der Friedlichen Revolution von 1989/1990 in die Verfassung einbringen und damit auch klarstellen, dass Sachsen mit diesem Prozess und mit der Einheit des Vaterlandes seine bedeutende Rolle als Verfassungsstaat wiedererlangt hat.

Was ist Ihre Motivation, seit 25 Jahren Mitglied des Sächsischen Landtages zu sein?

(Mandy, 22, Löbau)

Thomas Colditz ist von Beruf Lehrer, aber seit 1990 Abgeordneter der ersten Stunde im Sächsischen Landtag und seit letztem Jahr stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Ich bin seit 1990 Mitglied der CDU-Landtagsfraktion, zusammen mit weiteren Kollegen. Anlass, politische Verantwortung zu übernehmen, war für mich 1989 die gesellschaftliche Umwälzung in unserem Land. Seit 30 Jahren bin ich nun Mitglied der CDU und deshalb lag es schon damals für mich nahe, auch in der CDU parlamentarische Verantwortung zu übernehmen. Dabei stellte natürlich die sich grundlegend veränderte Rolle einer ehemals nur geduldeten Blockpartei hin zu einer Regierungspartei eine große Herausforderung dar. Doch war gerade die Zeit nach der Vollendung der Deutschen Einheit im Jahr 1990 eine sehr schöpferische Zeit, die durch ein breites gesellschaftliches Engagement und mit einer großen Anteilnahme am politischen Alltag geprägt war. Trotz, vielleicht aber auch gerade wegen der tiefgreifenden Veränderungen war das Zutrauen in die Politik, aber auch die Bereitschaft mitzuwirken, wesentlich stärker ausgeprägt als vergleichsweise heute. Das hat auch jeden, der damals aktiv in die Parlamentsarbeit eingebunden war, motiviert und positiv geprägt.
Ich hatte damals eigentlich nicht die Absicht, Berufspolitiker zu werden. Wahrscheinlich war es aber wohl auch diese Zeit der ersten Jahre, die zu einem längeren Verbleib in dieser Position geführt hat. Schließlich wirkt die Erfahrung bis in die Gegenwart hinein und bringt mir immer wieder in Erinnerung, wie Politik gestalten und gesellschaftliche Entwicklungen befördern kann, wenn sie in Akzeptanz und Anteilnahme bei der Bevölkerung verankert bleibt. Das ist es, was mich in den vergangenen 25 Jahren als Landtagsabgeordneter motiviert hat.

Gibt es fraktionseigene Redenschreiber?

(Thorsten, 43, Döbeln)

Patrick Schreiber ist studierter Historiker, seit 2009 Mitglied des Sächsischen Landtages, begann als 17-Jähriger 1997 seine politische Laufbahn bei der Schüler Union, war Stadtrat in Dresden und ist inzwischen Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Sport.

Fraktionseigene Redenschreiber an sich gibt es in der CDU-Landtagsfraktion nicht. Jeder Abgeordnete ist grundsätzlich selbst für seine Reden verantwortlich. Dabei helfen ihnen oftmals auch ihre persönlichen Mitarbeiter, zum Beispiel beim Recherchieren von Fakten und Hintergründen. Auch die parlamentarischen Berater der Fraktion, die sich vor allem um inhaltliche Zuarbeiten kümmern, stehen hier helfend zur Seite.

Wie entsteht eine Landtagsrede?

Die Grundlage für eine Rede im Plenum des Sächsischen Landtages bildet natürlich der zur Debatte stehende Gegenstand oder Anlass. Handelt es sich um einen Gesetzesentwurf oder Antrag der eigenen Fraktion oder muss man beispielsweise Stellung zu den Gedanken und Wünschen anderer Fraktionen, insbesondere Oppositionsfraktionen beziehen.
Entscheidend für die Vorbereitung auf diese Rede und für die Art und Weise des Vortragens ist der Grundsatz: Muss ich den anderen Abgeordneten etwas Eigenes „verkaufen“ bzw. „schmackhaft machen“ oder muss ich die Ablehnung eines Antrages verteidigen.
Um über den Verhandlungsgegenstand sprechen zu können, vor allem aber auch auf Zwischenfragen oder Zwischenrufe reagieren zu können, muss man sich selbstverständlich mit der in Rede stehenden Materie auskennen. Kurz gesagt: Man muss Ahnung vom Thema haben.
Deshalb bereitet man sich im Vorfeld natürlich inhaltlich vor, recherchiert zum Thema, wägt Pro und Contras ab und versucht dies alles zu klaren, verständlichen Botschaften zusammenzufassen.

Die Art und Weise der Rede, aber vor allem deren Inhalt, hängt natürlich immer zuerst auch von der Redezeit ab. Daran bemisst sich auch, wie tief man in das eigentliche Thema einsteigen kann.

Grundsätzlich bringt man seine Gedanken zunächst einmal auf Papier. Viele Abgeordnete schreiben so einen ganz normalen Text, wie als wolle man eine „Geschichte“ über das entsprechende Thema erzählen. Man wägt ab, welche inhaltlichen Fakten zu dieser Geschichte gehören und welche man davon unbedingt in der Rede verarbeitet haben muss.

Mit stilistischen und rhetorischen Mitteln, versucht man dann natürlich die Rede aufzupeppen, allerdings auch sprachlich so gestaltet, dass die zentralen Botschaften für jedermann klar und verständlich sind. Eine nur für Fachpolitiker verständliche Rede hat ihr Ziel in der Regel verfehlt, hängt aber natürlich vom Zielpublikum ab.

Wird die Rede vorher vom Fraktionsvorsitzenden geprüft?

Nein. Die Fraktion benennt und vergibt am Anfang einer Legislaturperiode ganz klare Fach- und Themenverantwortlichkeiten. Damit geht auch ein Grundvertrauen in den Abgeordneten einher. Die grundsätzlichen Themen und Inhalte einer Rede – sprich die Botschaften und Positionen der Fraktion - sind zuvor in den Facharbeitskreisen oder in der Gesamtfraktion diskutiert worden. Der Redner hat dann die Aufgabe, diese Positionen nach außen hin darzustellen, nicht sie grundsätzlich inhaltlich zu verändern.

Wieso redet er lieber frei und ohne Script, hat er Lampenfieber?

Spannender sind natürlich meist die freigehaltenen Reden, die sich an wenigen Stichpunkten orientieren. Dies bedingt allerdings ein Hohes Maß an inhaltlichem Fachwissen und eine hohe Expertise zum Thema. Kennt man die Fakten und Hintergründe und kann sich einigermaßen rhetorisch ausdrücken, so erzählt man diese „Geschichte“ eben frei. Dabei muss man natürlich immer die zentralen Botschaften im Auge behalten. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass ich in freier Rede wesentlich authentischer und überzeugender sein kann. Auch Zwischenfragen oder Zwischenrufe bringen mich dann nicht mehr aus dem Konzept, wenn ich fest im Thema stehe und weiß, wovon ich rede. Politik lebt für mich von Lebendigkeit, nicht von vorgelesenen Texten.

Wenn man sein Publikum kennt, wenn man weiß, wie das Gegenüber – in dem Fall die anderen Abgeordneten - in der Regel reagiert, dann hat man auch kein Lampenfieber. Kennt man die Menschen, vor denen man spricht, überhaupt nicht und ist man sich dazu vielleicht noch inhaltlich unsicher, so hat man natürlich Lampenfieber. Das geht auch mir so.

Wie trainiert man gutes Reden?

Ganz einfache Antwort: Üben! Üben! Üben! Unterstützen können beispielsweise Rhetorikkurse. Diese helfen einem in theoretischen Aspekten, zum Beispiel wie man eine Rede aufbaut. Das Üben z.B. vor einem Spiegel oder besser noch in der Praxis bleibt einem dennoch nicht erspart. Man kann dutzende von Rhetorikkursen besuchen. Wenn man allerdings fachlich nicht im Stoff steht und nicht immer wieder übt, wird aus einer Aneinanderreihung von vielen Worten niemals eine gute Rede.

Fotos: CDU/Chaperon

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