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FRISCHER WIND FÜR SACHSENS SCHULEN

Lothar Bienst, der bildungspolitische Sprecher der CDU im Landtag, ist als Lernender nach Meißen gekommen. So stellt er sich selber vor. Die Fraktion hatte zu einem abendlichen Dialog-forum in die Freie Werkschule eingeladen. Es geht ihr um die Fortentwicklung des sächsischen Schulsystems. In drei regionalen Gesprächsforen holte sie Lehrer, Eltern und auch Schüler an den Tisch, eben Experten aus der Praxis.

Die sächsischen Schulen seien deshalb so erfolgreich, weil die CDU für Kontinuität in der Bildungspolitik steht, sagte der Fraktionsvorsitzende Frank Kupfer. »Es gibt keine Experimente auf dem Rücken der Schüler und Lehrer wie in anderen Bundesländern.« Man sei aber auf der Suche nach Ideen für Veränderungen, die aus der Erfahrung geboren sind. Noch in diesem Jahr, so die Hoffnung, wolle das Kultusministerium den Entwurf zu einer entsprechenden Änderung des Schulgesetzes vorlegen. Damit sollen die Schulen auch für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet werden. Auf den Tischen standen schon die Schilder mit drei Themen, die dort behandelt werden sollten: Sicherung der Schulversorgung im ländlichen Raum, mehr Eigenverantwortung für Schulen sowie Entwicklung der Inklusion von Kindern mit Handicaps. Moderatorin Anja Scholz erklärte das Verfahren:

In kleinen Runden von jeweils fünf bis acht Personen sammeln die Teilnehmer 45 Minuten lang ihre Erfahrungen und Konzepte. Anschließend trägt jeweils einer von ihnen die Ergebnisse der gesamten Versammlung vor, die auf dieser Grundlage in die Diskussion eintreten kann. Die Schule im ländlichen Raum ist eine der Herausforderungen. Sie soll trotz sinkender Einwohnerzahlen speziell auf dem Land so weit wie möglich vor Ort bleiben können, ist Ziel der Schulpolitiker in der CDU und der meisten Eltern. Jahrgangsübergreifender Unterricht ist ein Konzept dafür. Er ist heute schon möglich, wird aber nur selten genutzt. »Das braucht Vorlauf«, sagt ein Lehrer. Auch für Oberschulen wird der Reiz der kleineren Größe wiederentdeckt. Sie könnten durchaus auch einzügig organisiert werden, heißt es bei der Fraktion. Lothar Bienst will sich jedenfalls nicht auf Experimente wie Gesamtschulen als Alternative einlassen. Jedenfalls solle auch das Gymnasium weiter in der Fläche angeboten werden. Allerdings sei kaum vorstellbar, dass sie im ländlichen Raum noch dreizügig organisiert werden, betonte ein Elternvertreter. Dann würden nämlich die Schulwege unzumutbar lang werden. Es wurde auch erwogen, dass Gymnasien dort weniger Wahlmöglichkeiten vorhalten. Dann noch die Frage, ob Lehrer aufs Land gelockt werden können. Eine Kollegin ist da ganz ohne Sorge: »Viele kommen sogar gern zurück«, hat sie beobachtet. Nachhelfen könne man vielleicht, indem die Bereitschaft, aufs Dorf zu gehen, beim Notendurchschnitt besser angerechnet wird. Stattdessen warnt sie davor, Lehrer mit dem in Sachsen unüblichen Beamtenstatus zu ködern: »Das gäbe böses Blut im Lehrerzimmer!«

Mehr Eigenverantwortung für die einzelnen Schulen lautet ein weiteres Stichwort aus dem Wunschkatalog von Lehrern, Eltern und den CDU-Bildungspolitikern. »Mehr Eigenkompetenz«, korrigiert ein Lehrer gleich, weil die Schulen einfach zu wenig Selbstständigkeit an den Tag legen dürften. Bei der inhaltlichen Gestaltung hätten sie etwas Freiheit, gesteht er zu. Bei der Personalauswahl dagegen gebe es keine Einwirkungsmöglichkeit. Von einem eigenen Schulbudget ganz zu schweigen. In der Frage der Einstellungen neuer Kollegen gibt es große Einigkeit. »Die Referendare sollen in die Schule passen. Das ist nicht zuerst eine Frage des Notendurchschnitts«, lautet eine Stellungnahme. Die Schulleiter würden die Referendare kennen. Man solle die Schulleiter zumindest in die Vorstellungsgespräche einbeziehen, ist eine weitere Idee. Jedenfalls sei die Fächerkombination der neuen Lehrer wichtiger als die blanke Note. Vielleicht könne es auch ein Deputat für externe Zusatzkräfte geben, wird angeregt. Der Fraktionsvorsitzende Frank Kupfer ist beim Thema Einstellungen ganz offen. »Für die Schulleiter ist mehr Personalhoheit nötig«, erklärt er eindeutig. Er sagt sogar, hier sollten Anregungen von freien Schulen aufgenommen werden. Die Referendare könnten vielleicht frühzeitiger eingegliedert werden, regt er an. Bienst, bildungspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, weist allerdings darauf hin, dass die Einstellungen weiter über die Bildungsagentur laufen müssten. Die müsse für die Verträge sorgen. Aber bei der Auswahl solle größere pädagogische Freiheit herrschen, fordert die Leiterin eines Gymnasiums. Für die Grundschulen gibt es allerdings auch Skepsis bei dem Thema. Die Leiter könnten mit der Auswahl überlastet werden, weil es eine weitere Tätigkeit neben dem Unterricht darstelle. Inklusion von Schülern mit Handicap, nämlich die Eingliederung in normale Schulklassen, ist der dritte Schwerpunkt, der in der Novelle des Schulgesetzes behandelt werden soll. In einem Punkt herrschte hier bei der Meißner Diskussion recht große Einigkeit unter den Teilnehmern, dass nämlich auf Förderschulen nicht verzichtet werden könne. Schließlich sei nicht jedes Kind für regulären Unterrichtsbetrieb geeignet. Darüber äußerte sich Bienst erfreut. Aber automatisch ein behindertes Kind auf eine Förderschule zu schicken, dürfe es auch nicht geben, lautete eine klare Forderung. Solche Bürgerdialoge will die CDU-Landtagsfraktion künftig häufiger anbieten, sagt der Vorsitzende Frank Kupfer. Schon bei den Foren zur Schulpolitik habe die Expertise der Praktiker die Politik weitergebracht.

Fotos: Marko Kubitz

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