Politik trifft Praxis

HIGHTECH IM HINTERLAND

Das Unternehmen ATN konstruiert Robotersysteme in der beschaulichen Oberlausitz und versorgt damit bedeutende europäische und nordamerikanische Autobauer. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, Frank Heidan, möchte sich vor Ort in Oppach von der Erfolgsgeschichte überzeugen und auch über Schwierigkeiten in der Arbeitsmarktpolitik sprechen.

Oppach ist vor allem durch sein Mineralwasser bekannt, doch auch im Bereich hochspezialisierter Technik hat die Region einiges zu bieten. Seit die Automobilindustrie ihre Produktion fast vollständig automatisiert hat, wächst der Bedarf an präzise arbeitenden Robotern. Hier konstruiert die Firma ATN komplette Fertigungsstraßen und liefert sie an Automobilfabriken in der ganzen Welt. In der Werkhalle laufen unterschiedliche Projekte parallel. Einige Roboter nehmen Scheiben vollautomatisch auf, versehen sie mit Klebstoff und setzen sie genau in das Fahrzeugchassis ein. Andere versehen Dächer mit Dämmstoffen und kleben so auch tragende Teile in das Auto ein. Schließlich wird in der Konstruktion immer weniger geschweißt oder gar geschraubt, sondern vor allem geklebt. Auch das ist eine Spezialität der sächsischen Konstrukteure.

Allerdings setzt dieser Industrie der Fachkräftemangel in Sachsen zu. Obwohl die Firma Mitarbeitern ein vielversprechendes Umfeld bietet und viele Ausbildungen selber übernimmt, wirkt sich vor allem der Geburtenknick der Wendejahre aus. Darüber hinaus ist die Entwicklung eindeutig: Bis 2060 wird die deutsche Bevölkerung von 81 Millionen auf etwa 65 Millionen zurückgehen. Außerdem wird die Gesellschaft älter, viele aus den sogenannten geburtenstarken Jahrgängen gehen in Rente und immer weniger Menschen werden für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Frank Heidan weiß um diese Problematik. »Gerade in den MINT-Berufen fehlen Fachkräfte«, erklärt er und meint damit die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Im April 2015 übertraf die Nachfrage um 47 Prozent das Angebot an Fachkräften in diesem Bereich. »Es ist wichtig, dass bereits an Schulen für technische Berufe geworben wird«, sagt Heidan. Langfristig müsse man gute Fachkräfte vorbereiten.

Auch für Geschäftsführer Torsten Hölzl ist dies die vielversprechendste Methode. »Wir stiften Wettbewerbe in Schulen und bieten den Studenten der Fachhochschule Zittau prakti¬sche Möglichkeiten für Versuche und Praktika in unserer F+E Abteilung an«, erklärt der gebürtige Cottbusser. F+E steht für Forschung und Entwicklung und scheint ein Synonym für das größte Potenzial sächsischer Unternehmen zu sein. »Auf einen Wettbewerb auf finanzieller Ebene brauchen wir uns mit einem ostasiatischen Unternehmen nicht einlassen, den verlieren wir«, erklärt der Firmeninhaber. Innovation, Termintreue und Qualität sind die Tugenden, mit denen sich seine Firma am Weltmarkt behauptet. Heidan sieht das genauso und sieht Sachsen gut aufgestellt: »Die Unternehmen bekommen staatliche Unterstützungen und auch die Bauzeiten sind kurz.« Es sei Ziel der CDU-Wirtschaftspolitik, sächsische Eigenschaften wie die hohe Qualität der hiesigen Ausbildungen und Studiengänge und den unternehmerischen Geist der Industrienation zu stärken.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, Frank Heidan, möchte sich vor Ort in Oppach von der Erfolgsgeschichte überzeugen und auch über Schwierigkeiten in der Arbeitsmarktpolitik sprechen. Denn obwohl das Unternehmen seit seiner Gründung 1999 stetig wächst, bereitet der Fachkräftemangel zunehmend Probleme. Geschäftsführer Torsten Hölzl geht die Herausforderung offensiv an und engagiert sich bereits in Schulen, geht Kooperationen mit Universitäten ein und bildet die Spezialisten auch im eigenen Unternehmen aus. Frank Heidan möchte politische Lösungen erörtern und Wege aufzeigen, wie sich die sächsische Industrie im globalen Maßstab weiter behaupten kann – mit Qualität und Zuverlässigkeit.

Fotos: Kirsten Lassig

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