Ein Tag im Leben von

Zwischen afghanischen Flüchtlingen, Putins Interessen und Besorgten Bürgern

Als Ausländerbeauftragter des Freistaates Sachsen beschäftigt sich Geert Macken­roth nicht nur mit den Interessen seiner Wähler, sondern kümmert sich um die Belange aller Mitbürger mit Migrationshintergrund. In der aktuellen Flüchtlings­debatte kennt der Integrationsprofi vor allem die langen Tage im Terminkalender.

10:30 Uhr

Ankunft am alten Hangar im Dresdner Flughafen. Geert Mackenroth ist zu Gast beim Projekt Umkehrschwung. Die privat geführte Initiative vermittelt Jugendlichen grundlegende Kenntnisse im handwerklichen Arbeiten. Aktuell bringen sie vielen afghanischen Jugendlichen, die ohne Eltern nach Europa gekommen sind auch deutsch bei. »Ich komme aus Afghanistan und wohne in Dresden«, erklärt ein junger Flüchtling dem Politiker. Mackenroth ist interessiert, wie man sich an der Werkbank verständigt: »Mit Händen und Füssen, verbal geht es ja schlecht. Wir zeigen Ihnen erst Muster und dann wissen sie recht schnell was zu tun ist«, erklärt ein Mitarbeiter. Auch deutsche Schüler werden hier auf ein Handwerk vorbereitet, aber sie wären da wesentlich bequemer und kommen seltener wieder. Die Afghanen scheinen ihre Chance zu erkennen. Viele der fertig gestellten Stücke tragen auf der einen Seite afghanische Nationalfarben und auf der anderen Schwarz-Rot-Gold.

Doch leider passt die Initiative in keine Förderrichtlinie und dem Projekt droht das Geld auszugehen. Geert Mackenroth schlägt vor private Geldgeber anzufragen und möchte mittels eines Spendenflyers Nachhaltigkeit und Grund in die Sache bringen. Bedarf gäbe es mittlerweile schließlich zur genüge.

14:00 Uhr

Am Nachmittag hat Geert Mackenroth die Vertreter der russland-deutschen Verbände in seine Geschäftsstelle geladen. Sorgen macht ihm die Propaganda des Kremls über eine angebliche Vergewaltigung einer Russin in Berlin. Es soll geklärt werden, ob es auch in Sachsen Netzwerke gibt, die eine systematische Agitation im Sinne des russischen Präsidenten betreiben. Der Ausländerbeauftragte ist sich bewusst, dass Moskau alles daran setze die Wirtschaftssanktionen der Krimkrise auszusetzen. Außerdem soll ein Dachverband für alle Migranten in Sachsen gegründet werden, der Interessen gebündelt vertreten kann. Bisher vertritt sich jede Minderheit selbst. Gekommen sind die Vorsitzenden des Integrationsnetzwerkes Sachsen e.V. , Tatjana Jurk und Valerias Steinhauer. Die Vertreter der russischen Landsmannschaften und der Sprecher des sächsischen Migrantenbeirates haben sich krank gemeldet. Über einen Dachverband könne man so schwer verhandeln, aber Mackenroth ist es gewohnt dicke Bretter zu bohren und alle Interessen an einen Tisch zu holen.

»In Bezug auf Extremismus sind wir demokratisch erzogen«, erklärt Steinhauer. »Gilt das für alle?«, fragt Mackenroth. Schließlich habe sich in weiten Teilen der alten Bundesrepublik eine russlanddeutsche Partei „Einheit“ gegründet, die versucht Einfluss auf die Politik zu nehmen. »Diese Partei gibt es aber in Sachsen nicht«, beschwichtigt Tatjana Jurk. Gibt es Angst oder vor allem Neid, wenn jetzt viele neue Flüchtlinge kommen? Es gäbe vor allem besorgte Bürger, so Jurk. Die Russlanddeutschen haben lange bürokratische Wege zu gehen, wenn sie nach Deutschland wollen. Familienmitglieder dürfen nicht mitkommen, wenn sie später als 1993 geboren sind und somit nicht als Spätaussiedler gelten. Flüchten kommt für die meisten aber dennoch nicht in Frage und das habe vor allem mit Stolz zu tun.

Für Geert Mackenroth ist es beruhigend zu wissen, dass in Sachsen auch von den hiesigen Verbänden keine Agitation Moskauer Interessen bemerkt wurde. Der Fokus in dieser Sache liegt jetzt auf dem zu gründenden Dachverband. Schließlich stehe dieser auch schon im Koalitionsvertrag.

16:00 Uhr

Die Fraktionskollegin Aline Fiedler hat in ihrer Bürgersprechstunde festgestellt, dass viele Fragen zur Flüchtlingskrise gestellt werden. Daher hat sie den Ausländerbeauftragten eingeladen, ihr mit profundem Fachwissen zur Seite zu stehen. Ein große Sorge, dass vor allem alleinstehende, muslimische Männer nach Deutschland kommen, kann er direkt entkräften: „In den Jahren 2014/2015 stimmt es, dass 80 % der Flüchtlinge junge Männer waren. Jetzt ist es genau umgekehrt und es sind 80 % Familien, bzw. Frauen und Kinder die herkommen“.

 Nach den Vorfällen von Bautzen und Clausnitz ist eine Bürgerin traurig, wie jetzt über alle Sachsen in der Öffentlichkeit gesprochen wird: „Woher kommt der Hass auf Sachsen?“. „Statistisch haben wir in Sachsen die meisten Rechtsextremen pro Einwohner. Sachsen Bashing ist zwar überhaupt nicht gerechtfertigt, aber wir haben eine besondere Verantwortung“, erklärt Mackenroth. Außerdem ist es häufig so, dass der Musterschüler eben nicht so beliebt sei und viele der alten Bundesländer nutzen es in so einer Situation eben aus. „Wir haben keinen Grund auf alles stolz zu sein. Aber Sachsen auf Rechtsextremismus zu reduzieren ist für mich als Wahlsachse grundfalsch“, poltert Mackenroth.

 Der Abend dauert noch an und noch viele Themen werden leidenschaftlich diskutiert. Die Bürger hinterfragen die Entscheidungen der Kanzlerin chirurgisch. „Verbale Konzepte überzeugen politische Menschen mittlerweile nicht mehr. Jetzt müssen wir konkret handeln“, so Mackenroth. Dass selbst Stammwähler immer wieder von der eigenen Politik überzeugt werden müssen, ist auch nach den letzten Landtagswahlen im März deutlicher denn je. Geert Mackenroth wird unermüdlich daran arbeiten.

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