Integration

Deutsch als Zweit-Chance

Um sich in einem neuen Land zurechtzufinden ist es unumgänglich, die einheimische Sprache zu sprechen. Für Flüchtlinge und Migranten, die eine neue Heimat suchen, ist sie ein elementarer Bestandteil des neuen Lebens und Grundstein für eine gelungende Integration.

Lothar Bienst kennt den zweiten Bildungsweg. Seine Ausbildung zum Elektriker schaffte er zwar in nur eineinhalb Jahren, doch in der DDR war er zuerst nicht für das Abitur und ein Studium vorgesehen. Nach dem Wehrersatzdienst bekam er als sogenanntes »Arbeiterkind« doch noch die Möglichkeit, innerhalb von zwölf Wochen die Hochschulreife abzulegen. Er studierte daraufhin, wurde Diplom-Ingenieur und Lehrer. Der heutige bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion blickt auf 28 Jahre im Schuldienst zurück und weiß, wie es ist, Umwege in Chancen zu verwandeln.

Um den Flüchtlingen und Migranten in Sachsen erfolgreich die deutsche Sprache beizubringen, sei es wichtig, sie gezielt zu unterrichten. Aufgrund der Schulpflicht und der verschiedenen Altersgruppen, die von Kleinkindern bis hin zu Erwachsenen reichen, sind dafür auch verschiedene Bildungsträger zuständig.

Für die Kleinen, Bienst spricht von den Zwei bis Sechs-Jährigen, wäre es das Beste, wenn sie in die normalen Kindergärten aufgenommen würden. »Kinder untereinander sind ungemein lernfähig. Hier brauchen wir kein Extra-Programm«, erklärt er. Die Schulpflicht in Deutschland gilt für jedes Kind und dauert neun Jahre. Somit werden die sechs- bis fünfzehnährigen Flüchtlinge und Migranten ebenfalls ins Schulsystem integriert. Da hier ein gewisses Sprachniveau erforderlich ist, gibt es sogenannte Vorbereitungsklassen. Der DaZ-Unterricht, das steht für Deutsch als Zweitsprache, ist in Stufen gestaffelt. Die erste Stufe lehrt grundlegendste Sprachfertigkeiten. Wer die dritte Stufe meistert, nimmt am regulären Unterricht teil.

Ich könnte mir vorstellen,dass schon bei der Erfassung in der Erstaufnahme zu einer bestimmten Anzahl Unterrichtsstunden verpflichtet wird.

Sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer, im Amtsdeutsch kurz als UMA bezeichnet, kommen ohne Eltern nach Deutschland. Jugendliche Flüchtlinge sollen schnell in einen Beruf kommen, um sich selbst versorgen zu können. Das Kultusministerium ist verpflichtet, jedem bis zum 18. Lebensjahr eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Volljährige Migranten erhalten eine Beratung zu möglichen Arbeits- oder Ausbildungswegen durch die Bundesagentur für Arbeit. Diese vermittelt auch die für das Berufsleben notwendigen Sprachkurse. Diejenigen, die ihren ersten Bildungsweg fortsetzen möchten und das Abitur anstreben, können sich bei einem sächsischen Kolleg bewerben, an dem Erwachsene im Vollzeitunterricht das Abitur erwerben können.

Sprachkurse sind unumgänglich für die Integration. »Ich könnte mir vorstellen, dass schon bei der Erfassung in der Erstaufnahme zu einer bestimmten Anzahl Unterrichtsstunden verpflichtet wird«, sagt Bienst, »Wenn sich Flüchtlinge dazu nicht bereiterklären, wäre das für mich auch ein Abschiebekriterium«. Die Bemühung zur Integration wäre damit neben dem validen Asylstatus essentiell, um in Deutschland bleiben zu dürfen.

Fotos: Marco Kubitz

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