Integration

Ein Iraker erzählt von seinem Weg nach Sachsen

Hans Giljana floh mit seiner Mutter und Schwester 1996 aus dem Irak vor dem Regime Saddam Husseins. Als Christen, deren Sprache das Aramäische ist, gehörten sie zu einer verfolgten Minderheit. In Sachsen wurden sie schnell als Flüchtlinge anerkannt, blieben zunächst in Freital, kamen später nach Dresden. Mittlerweile fühlt sich der 29-Jährige angekommen in Deutschland und ist stolz auf die Möglichkeiten, die sich ihm hier geboten haben. Seit zwei Jahren führt er eine Barbierstube in der Dresdner Neustadt.

Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Friseursalon wird bereits beim Betreten von »Giljana’s Barbierstube« deutlich: Aus den Lautsprechern erklingt leiser Swing, im Kühlschrank steht Bier bereit, auch Whiskey wird ausgeschenkt. In den Wartesesseln und auf den Werbedrucken der Schaufenster ist vor allem eines präsent: der Vollbart. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass hier keine Frau auf ihren neuen Haarschnitt wartet. Vorbild für diesen Laden sind die Barbiere der 1920er Jahre.

Reine Herrensalons, in denen sich ungestört entspannt und unterhalten werden konnte. Termine werden hier heute nicht vereinbart. Wer Bedarf hat, kommt vorbei und geschnitten wird der Reihe nach und manchmal muss eben etwas gewartet werden. Die Bandbreite der Haarschnitte umfasst ganze fünf Frisuren. Saubere Schnitte und klare Linien sind dem Meister wichtig.

Ich bin stolz auf diese Möglichkeit

Hans Giljana schrieb eine Erfolgsgeschichte, die nicht geradlinig, sondern mit allen möglichen Wendungen des Lebens verlief. Als Flüchtling kam der gebürtige Iraker während des zweiten Golfkriegs nach Deutschland. Nach mittlerer Reife und einer Ausbildung zum Maler und Lackierer, entdeckte er seine Leidenschaft zum Handwerk des Barbiers, während er einem Freund die Haare schnitt. Eine Ausbildung zum Friseur kam hier für ihn allerdings nicht in Frage. Er flog in den Libanon, erlernte dort das Handwerk und besuchte ein Barbier-Meisterschule. In Deutschland wurde diese Ausbildung dann schlie߬lich von der Handwerkskammer anerkannt. »Hier in Deutschland hatte ich die Möglichkeit mein Leben, meine Schule und Ausbildung ohne Krieg und Verfolgung zu erleben. Ich bin dankbar, dass Deutschland mir das ermöglicht hat. Vom Irak kann ich das leider nicht sagen«, so Giljana. Die Bemühungen hier seinen eigenen Weg zu gehen wurden belohnt und die Handwerkskammer Dresden möchte wohl von seinen Erfahrungen profitieren. »Kürzlich bekam ich eine Einladung in von der Handwerkskammer. Sie wollen sich mit mir über die Integration ausländischer Berufsabschlüsse austauschen und laden mich zur Zusammenarbeit ein«, schmunzelt Hans Giljana.

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