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Klare Linien und ein sauberer Schnitt

»Giljana’s Barbierstube« hat nicht viel mit einem normalen Friseursalon gemein. Nach dem Vorbild reiner Herrenfriseure der 1920er Jahre, kümmert sich Hans Giljana um das männliche Haupt- und Barthaar. Zeit sollte man mitbringen, denn Termine lassen sich nicht vereinbaren und seine Leistungen beschränken sich klar auf fünf Frisuren. »Saubere Schnitte und klare Linien« sind das Motto von Hans Giljana und die Barbierstube ist das Lebenswerk eines Flüchtlings, der 1996 mit Mutter und Schwester vor Saddam Hussein floh.

Im Entschuldigen Sie bitte, aber ist Ihr Vorname wirklich Hans?
»Man muss nicht immer Mohammed heißen, wenn man aus dem Irak kommt. Meine Familie stammt aus der Hauptstadt Kurdistans im Nordirak. Wir sind Christen und meine Familie mochte deutsche Vornamen sehr.«

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
»Nach dem Zweiten Golfkrieg konnte meine Familie nicht mehr unter Saddam leben. Wir sind Christen, unsere Kultur ist babylonische und wir sprechen aramäisch. Damit gehörten wir zu einer der verfolgten Minderheiten.«

Wo beginnt denn die Geschichte der Barbierstube?
»2006 habe ich das erste Mal einem Freund die Haare geschnitten. Ich glaube ihm hat das ganz gut gefallen und bald kamen immer mehr Freunde jeden Freitag zu mir. Als Hobby habe ich mir also beigebracht, Haare zu schneiden. Gelernt habe ich dann vor allem aus holländischen Youtube-Videos. Die Jungs waren ziemlich gut und ich habe mir über die Clips viel beigebracht. Im Winter hatte ich ja viel Zeit, da gibt es auf dem Bau keine Arbeit. Die Frage war dann, wie ich als Friseur ohne Ausbildung meinen Laden eröffnen kann.«

Geht das im Handwerk ohne Meisterbrief überhaupt?
»Nein. Die Handwerkskammer Dresden hat gemauert, da ich weder einen Gesellen noch Meisterbrief als Friseur hatte. Also habe ich 2013 eine Ausbildung begonnen. Allerdings bin ich damals mit der Berufsschule nicht klargekommen. Ich war ja acht Jahre älter als die meisten anderen. Ich habe diese Ausbildung abgebrochen und bin nach Beirut in eine Meisterschule gegangen. Die Kultur der Barbiere liegt mir einfach näher.«

Und dieser Titel wurde dann in Deutschland anerkannt?
»Ja, allerdings hat dieser Vorgang ein ganzes Jahr gedauert. Mein Laden war im  Oktober 2014 schon fertig und ich bekam von der Handwerkskammer die Erlaubnis zu eröffnen, obwohl mein Meisterbrief noch nicht umgeschrieben war. Ich wurde in Dresden dann nochmal in Theorie und Praxis geprüft, bestand jeweils mit Bestnote und seit 2015 führe ich offiziell auch einen deutschen Meisterbrief.«

Welchen Tipp würden Sie anderen Flüchtlingen in Deutschland geben?
»Meine Familie ist vor Krieg und Verfolgung geflüchtet. Hier in Deutschland hatte ich die Möglichkeit mein Leben, Schule und Ausbildung in Frieden zu leben. Ich bin stolz auf Deutschland, dass es mir das ermöglicht hat. Vom Irak kann ich das nicht sagen. Meiner Meinung sollten es alle Flüchtlinge so sehen: Stolz auf diese Möglichkeit zu sein.«

Fotos: Marco Kubitz

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