Ortstermin

DIE SICHERHEITSLAGE IMMER IM BLICK

Die CDU-Fraktion des sächsi­schen Landtages nimmt sich die offene Drogenanbieter-Szene am Dresdner Hauptbahn­hof vor. Der Fraktionsvorstand traf sich mit der Polizeiführung, um konkrete Handlungsvorschlä­ge zu erarbeiten, um den Handel mit Amphetaminen und Kokain sowie die kriminellen Machen­schaften gezielt unterbinden zu können. Während der Ortsbege­hung am Wiener Platz wird Pat­rick Schreiber Zeuge des unver­blümten Drogenhandels

Der Canaletto-Saal in der Schießgasse 7 im obersten Stockwerk der Polizeidirektion Dresden hat nicht viel mit dem barocken Antlitz der Stadt gemein. Auf einer meterhohen Wand aus Bildschirmen werden hochauflösende Kamerabilder der Stadt gezeigt. Zu lesen sind Bezeichnungen wie »Postplatz Kam 5« und »Videowagen 1«. Die Polizei hat die Sicherheitslage in der Landeshaupt­stadt im Blick. Zu tun gibt es reichlich: 80 Verkehrsunfälle und 378 Notrufe gehen hier jeden Tag ein.

Der Wiener Platz ist ein Ort, auf den die Polizei ein waches Auge wirft. Seit 2014 wurde hier ein deutlicher Anstieg des Drogen­handels registriert. Die unterirdische Einkaufspassage, die unter anderem ein Internetcafé und einen Finanzdienstleister beher­bergt, dient als Infrastruktur der Kriminellen. Der zuständige Revierleiter Claus Leibnitz erklärt, warum gerade Flüchtlinge hier aktiv sind: »Wir haben Flüchtlinge, die Geld nach Hause schicken wollen. Arbeiten dürfen sie hier noch nicht. Demzufolge suchen sie andere lukrative Wege.« Die Abgabe und der Verkauf seien fest in der Hand von nordafrikanischen Asylsuchenden, ge­kauft wird fast ausschließlich von Deutschen. Christian Piwarz, parlamentarischer Geschäftsführer, fragt: »Kann durch eine höhere Polizeipräsenz eine größere Wirkung erzielt werden?«. Die Polizei geht vielmehr davon aus, dass dies eher einen Verdrän­gungseffekt zur Folge hätte. Also eine Verlagerung des Problems in andere Stadtteile.

Als Vorsitzender des Arbeitskreises für Innenpolitik ist es ChristianHartmann ein Anliegen, Lösungen zu finden. »Wir wollen mit einem konkreten Maßnahmenplan der Kriminalität am Wiener Platz den Kampf ansagen, damit Bürger und Gewerbetreibende sich wieder sicher fühlen können”, so Hartmann. Eine Ausweitung der Videoüberwachung würde der Polizei aber nicht unbedingt die Arbeit erleichtern. »In Sachen Beweisführung ist die allge­meine Überwachung mit festinstallierten Kameras nicht nütz­lich und außerdem vor Gericht unzulässig. Sie erhöhen maximal das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung«, erklärt Polizeipräsi-dent Kroll. Allerdings geben die Bilder der Kameras durchaus einen Einblick in den Drogenhandel. Ein dokumentierter Fall zeigt,wie der Verkäufer über den Platz schlendert und Passanten anspricht. Hat sich ein Interessent gefunden, geht der Verkäufer zu einer Litfaßsäule und holt eine darin steckende, zerknüllte Zigarettenschachtel hervor. Fotos zeigen den vermeintlichen Abfall schon bevor der Dealer seine Ware aus ihm hervorholt. Drogen und Geld wechseln den Besitzer.

Revierleiter Claus Leibnitz führt die Abgeordneten nun selber über den Wiener Platz und zeigt auch die darunter liegende Passage. »Im Internetcafé organisieren sich die Dealer, per sogenanntem Ameisenschmuggel werden die Drogen über die tschechische Grenze geholt«, so der Beamte. Viele einzelne Schmuggler holen so die illegalen Substanzen nach Sachsen. Über Internetcafés ist eine recht anonyme Organi­sation des Handels möglich. Direkt daneben ist eine Filiale eines Finanzdienstleisters. Hier können Bargeldbeträge ohne Girokonto weltweit transferiert werden. Kriminelle Flüchtlinge versorgen so ihre Angehörigen in den Heimatländern.

Auf dem Heimweg wird Patrick Schreiber selbst Zeuge eines missglückten Drogendeals. Nachdem ein Jugendlicher die Avancen des Dealers abgelehnt hatte, wurde dieser gewalt­tätig und schlug auf den Teenager ein. Schreiber trennt die jungen Männer und die Streife eines privaten Sicherheits­dienstleisters setzt die Kriminellen fest. »Die Dreistigkeit ist wirklich unfassbar«, sagt Schreiber, »keine 200 Meter entfernt steht hier die Polizei und dieser Kriminelle verprügelt einen Jungen, weil der keine Drogen kaufen will.« Die Ware wurde beschlagnahmt und die private CityStreife hat die Verdächtigen solange festgehalten, bis die Polizei sie verhaftet hat.

Fotos: Marko Kubitz

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