Politik trifft Praxis

VOM HELFER ZUM PFLEGEBEDÜRFTIGEN

Das Seniorenwohnheim »An der Maille-Bahn« in Dresden Pillnitz ist einer der zahlreichen Orte, an denen sich engagiert und hingebungsvoll um die Alten der Gesellschaft gekümmert wird. Doch der Beruf des Altenpflegers droht durch schlechtere Bezahlung und weniger Prestige den Krankenpflegern hinterherzuhinken. Der pflegepolitische Sprecher der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtags, Patrick Schreiber, hat die Enquete-Kommission des Sächsischen Landtages zur Zukunft der Pflege mitinitiiert und verschafft sich vor Ort einen Einblick in die Arbeit und vor allem die Leidenschaft des Pflegeberufs.

Edith Hofmann ist 94 Jahre. Bis zur Rente hat sie die Abteilung zur Datenverarbeitung eines großen Chemiekombinats geleitet. »Bei uns ging das alles noch mit Lochkarten«, erklärt sie. Seit 72 Jahren raucht sie, genießt ihre sogenannten »Gesundheitspausen«. Edith Hofmann gibt das Idealtyp einer rüstigen alten Dame, ungemein schlagfertig, mit einem guten Humor und grollendem Lachen ausgestattet. Doch vor drei Jahren erleidet sie hintereinander zwei Unfälle: die kranke und bereits entfernte Kniescheibe des linken Beins lässt sie stürzen, die Rentnerin bricht sich den Oberschenkelknochen. In Zukunft wird sie weitestgehend auf Rollator und Rollstuhl angewiesen sein. Noch im Kranken¬haus beauftragt sie ihre Kinder, ihr einen Pflegeheimplatz zu suchen. Nach Hause will sie nicht mehr, denn der Alltag birgt für die Witwe jetzt schwerwiegende Risiken.

Ähnlich wie Edith Hofmann müssen viele Familien einsehen, dass ihre Ältesten sich nicht mehr alleine versorgen können und die eigene Unterstützung schnell Grenzen findet. Der Schritt, heraus aus den vertrauten vier Wänden, fällt häufig trotz aller Umstände schwer. »Die Pflegekräfte hier im Seniorenwohnheim haben mir sehr geholfen, diese schwere Anfangszeit zu überstehen«, erinnert sich Edith Hofmann.

Patrick Schreiber will sich einen persönlichen Einblick von der Arbeit im Pflegeheim verschaffen. Als pflegepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages initiierte er die Pflege-Enquete mit und ist stolz auf diesen Schritt. »Eine Enquete-Kommission wird für jede Legislaturperiode nur mit einem Thema beauftragt – bis Ende 2017 soll ihr Bericht vorliegen. Dass die Pflege die nächsten Jahre so viel Aufmerksamkeit bekommt, ist für mich ein wichtiger Schritt«, sagt Schreiber. Persönliche Erfahrungen sammelte der Abgeordnete auch dadurch, dass zwei Angehörige ihre letzten Jahre in einem Pflegeheim verbrachten. »Es ist einfach wichtig, dass sich die Gesellschaft um die Menschen kümmert und dass der Beruf des Altenpflegers an Attraktivität gewinnt!«, findet Schreiber.

Gemeinsam mit einer jungen Pflegerin besucht er eine Dame mit fortschreitender Demenz. »Im August 2015 habe ich meinen Abschluss als Fachkraft für Altenpflege gemacht«, erklärt Altenpflegerin Diana Denker. Sie ist eine der letzten Fachkräfte, die noch die klassische Lehre absolvierte. In Zukunft soll die Ausbildung von Alten- und Krankenpflegern zusammengelegt werden. Die Spezialisierung ist dann nur noch eine Vertiefungsfrage. Patrick Schreiber erkundigt sich, welche Auswirkung das denn auf die Altenpflege haben könnte. »Meiner Meinung nach werden dann weniger Leute den Beruf der Altenpflege wählen«, sagt die Dresdnerin, »denn die Krankenpflege ist durch das bessere Gehalt und die größere Lobby schlichtweg attraktiver«. Ob sie sich insgeheim wünscht, einen anderen Beruf zu ergreifen? »Nein auf keinen Fall. Ich mag den direkten Kontakt mit den Bewohnern und dass man sie in einem Abschnitt ihres Lebens wirklich begleitet. Ein Krankenhaus ist für mich eher die Verwaltung von Krankheiten«, so Denker. Wenn sie entscheiden dürfte, was sie direkt ändern würde, will Patrick Schreiber von der Pflegerin wissen: »Mehr Geld, um durch mehr Personal einen besseren Pflegeschlüssel zu ermöglichen!« Diesen altruistischen Wunsch hört Schreiber häufig. Nur in zweiter Linie geht es den Altenpflegern um ein höheres Gehalt, sondern zuerst um eine bessere Versorgung der Bewohner. Doch schlicht den Geldhahn aufzudrehen, ist so einfach nicht möglich. Zu viele Interessen haben in dieser Frage mitzuentscheiden.

Für Patrick Schreiber ist es bereits ein erster Schritt, die Verwaltung der Bewohner zu vereinfachen. »Bisher musste eine Pflegekraft den gesamten Tag genauestens protokollieren. Da sind am Tag etwa 26 Einträge mit Unterschriften und zusätzliche Protokolle angefallen«, erklärt die stellvertretende Pflegedienstleiterin Leonore Wycisk. Mittels eines automatisierten Systems werden nur noch besondere Ereignisse vermerkt. Der Alltag wird jetzt automatisch erfasst. Für Patrick Schreiber ist diese Umstellung eine echte Erleichterung: »So haben die Pfleger mehr Zeit für den Bewohner.« Die Enquete-Kommission hat ihre Arbeit bereits aufgenommen und Schreiber ist zuversichtlich, dass die Ergebnisse eine Verbesserung des Pflegeberufs ermöglichen. Doch wichtiger ist dem Abgeordneten das Image in der Gesellschaft: »Das Ansehen der Pflege muss steigen. Die Gesellschaft muss erkennen wie wichtig dieser Beruf und diese Arbeit für uns alle ist.

Fotos: Kirsten Lassig

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