Bürgerfragen

Wenn ich morgen ein Unternehmen gründen möchte - an wen kann ich mich hilfesuchend wenden? Gibt es eine zentrale Stelle, die mir Informationen zukommen lassen kann?

(Bernd, 19, Chemnitz)

Alexander Dierks (29) vertritt seit 2014 die Bürgerinnen und Bürger seines Chemnitzer Wahlkreises im Sächsischen Landtag. Er ist jugendpolitischer Sprecher der Fraktion.

Eine zentrale Anlaufstelle gibt es in diesem Fall leider nicht, dafür aber viele spezifische Ansprechpartner, die Sie gerne unterstützen werden. Für die richtige Herangehensweise sind Ihre Ausgangssituation wichtig und die Art des Unternehmens, das Sie gründen wollen.

Wenn Sie Student sind, gibt es an den Hochschulen zum Beispiel Gründerzentren, die Sie bei der Erarbeitung eines Geschäftsmodells, der Vermittlung an erste Geschäftspartner und der Gründung unterstützen.

In Sachsen sind das z. B. Dresden | exists und das Gründernetzwerk SAXEED (u. a. an der TU Chemnitz). Darüber hinaus gibt es viele branchenspezifische Anlaufstellen, die Sie mit wenigen Klicks online finden.

Wenn Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen wollen, hilft die Bundesagentur für Arbeit. Wenn Sie aus dem Job heraus oder nach dem Studium gründen möchten, sind je nach Unternehmensart die Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer gerne bereit, Ihnen zu helfen und stellen Ihnen Mentoren zur Seite.

Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Fördermöglichkeiten, so auch Mittel für die Inanspruchnahme von Beratungsleistungen, die über das Wirtschaftsministerium bzw. die Sächsische Aufbaubank ausgereicht werden. Informationen finden Sie unkompliziert auf den jeweiligen Websites.

Wie möchte die sächsiche CDU die Gründung neuer, junger Unternehmen forcieren? Möchte sie es überhaupt? Ist das ein zentrales Thema der Landesregierung?

(Nadine, 28, Dresden)

Frank Heidan (59) ist aus Plauen und seit 2004 Landtagsabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der Fraktion.

In den vergangenen Jahren hat sich Sachsen hinsichtlich der Innovationsintensität bereits eine Spitzenposition unter den neuen Ländern erarbeitet. Wir müssen diese Entwicklung weiterhin unterstützen, um durch originäre Innovationskraft in wettbewerbsfähigen Bereichen Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln bzw. weiter auszubauen.

Die CDU-Fraktion im Landtag hat daher immer großen Wert auch auf die Förderung von jungen Unternehmen, Start-ups und Ausgründungen aus sächsischen Hochschulen und hiesigen Forschungsinstituten gelegt und dazu auch die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt.

So hat der Freistaat Sachsen in den beiden vergangenen Jahren im Rahmen der neuen EFRE- und ESF-Techno-logieförderung für fast 1200 Projekte über 260 Mio. Euro an Zuschüssen bewilligt - so viel, wie nie zuvor! Sachsen ist ein Land, wo die Forschungskapazitäten eng an die Unternehmen angebunden sind. 

Selbst für ganz kleine Unternehmen, die die FuE-Vorhaben nicht allein stemmen können, gibt es Programme wie den Innovationsassistenten oder die Verknüpfung mit Bundesmitteln, beispielsweise das technologie- und branchenoffene Förderprogramm Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Forschung und Entwicklung sind die Schlüsselpositionen, um neue Marken im Markt zu verkaufen und zu platzieren.

Leipzig und Dresden gelten nicht gerade als Start-up-Schmiede. Wieso sollte ich hier mein Start-up gründen und nicht etwa in Berlin Mitte oder Hamburg, wo es ideale Bedingungen gibt?

(Silke, 25, Berlin)

Andreas Nowak (41) kommt aus Leipzig und ist seit 2014 direkt gewählter Landtagsabgeordneter und verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion.

In Leipzig sind die Bedingungen genauso gut wie in Berlin – oder sogar besser. Wir haben reichlich Platz, es gibt eine lebendige kreative Szene und die Stadt leistet sich das Kulturangebot einer Millionenmetropole.

Dazu kommt, dass in Leipzig alles schnell erreichbar ist. Die Wege sind kurz, die Entscheidungen auch. Man trifft ständig auf Gleichgesinnte. Die Mieten sind günstig und das Klima in der Stadt war schon immer besonders offen für Macher.

Das hängt sicher mit der Geschichte als Messestadt zusammen. Die Welt war schon immer in Leipzig Zuhause. Außerdem sind Stadt und Umland sehr lebenswert. Es gibt viele Parks, Kneipen und Cafes, jeden Abend ist etwas los.

Im Süden locken die Ex-Tagebau-Seen zur Erholung und die Verkehrsanbindung
ist top. Nur beim Passagierverkehr am Flughafen könnte noch mehr gehen. Aber da arbeiten wir dran.

Wo Berlin oder Hamburg saturiert sind, gibt’s in Leipzig immer Entwicklung und Bewegung. Mit der HHL und diversen Hochschulen haben wir auch den wissenschaftlichen Background.

Und nicht wenige sind hier gestartet und jetzt inter-national erfolgreich. Als Beispiel nenne ich nur Spreadshirt. Das Beste aber: Die Leipziger sind cool, weltgewandt und vor allem freundlicher als so mancher Berliner. Gilt übrigens auch für die Taxifahrer. ;-)

Gibt es eigentlich Steuervergünstigungen für Start-ups?

(Wiebke, 45, Schmilka)

Jens Michel (49) hat seinen Wahlkreis in der Sächsischen Schweiz und sitzt seit acht Jahren im Sächsischen Landtag. Er ist finanzpolitischer Sprecher der Fraktion.

Ja, die gibt es. So sind Zuschüsse nach dem Förderprogramm INVEST des Bundes-ministeriums für Wirtschaft und Energie steuerfrei. Die Steuerbefreiung gilt für den Zuschuss aus dem Förderprogramm für den Erwerb einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft in Höhe von 20 Prozent der Anschaffungskosten, höchstens jedoch 50.000 Euro.

Außerdem wurden die Grenzen für die Buchführungspflicht (die häufig bei "jungen" Unternehmen greifen) angehoben. Schließlich können neu entstandene Verluste eines Start-ups bei einer Übernahme vollumfänglich genutzt werden, wenn der Geschäftsbetrieb unverändert erhalten bleibt.

Neben Steuervergünstigungen können Start-ups auf anderen Wegen vielfältig gefördert werden.

Über die Sächsische Aufbaubank (SAB) erfolgen z. B. auf Antrag Gründungs- und
Wachstumsfinanzierungen, Liquiditätshilfemaßnahmen und Gründungsberatung. Außerdem besteht die Möglichkeit zur Beantragung eines Mikrodarlehens.

Aus Bundesmitteln können über die "GRW" (Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur") kleine und mittelständische Unternehmen Investitionszuschüsse für diverse Zwecke erhalten. Durch die SAB können sogar Technologiegründerstipendien vergeben werden.

Dabei werden junge innovative Unternehmens in einem zukunftsträchtigen Technologiebereich durch die Gewährung eines personengebundenen Stipendiums unterstützt.

Fotos: Christoph Reichelt

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