Ein Tag im Leben von

Sebastian Gemkow ist ein Jurist und Politiker der CDU

Wenn der Justizminister eine freie Minute hat, legt er einen Schalter um. Der stets seriöse Jurist fängt dann an zu lachen, verzieht das Gesicht oder erklärt kurzerhand, dass er keine Ahnung von Bartpflege hat. Direktheit ist Sebastian Gemkows Stärke. Ein Tag im Leben des jüngsten Ministers im Freistaat beginnt früh morgens in seiner Heimat Leipzig. Von hier aus startet er täglich, meist zuerst zu Auswärtsterminen. Ein persönliches Gespräch ist für Ihn das wichtigste und effektivste Arbeitsmittel.

09:00 Uhr

Staatsanwaltschaft, Chemnitz
Sebastian Gemkow sitzt an einem Besprechungstisch auf dem Chemnitzer Kasberg. Das Gespräch mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt Bernd Hohmann verläuft fröhlich – die Beiden kennen sich seit mehreren Jahren. Dabei ist das Thema ernst: Sachsen gehen die Juristen aus. Die Staatsanwaltschaft
hingegen braucht mehr Mitarbeiter. Allein in den letzten zwei Jahren wurden in Sachsen gut 40 neue Stellen geschaffen – weitere sollen folgen. Vor allem die steigende Cyberkriminalität macht den Strafverfolgern zu schaffen – dazu bräuchte es mehr junges, gut ausgebildetes Personal. Dass der Minister zu solchen Gesprächen regelmäßig nach Chemnitz kommt, schätzt Hohmann sehr. „Er hat diese jugendliche Frische und kommt aus der Praxis, das ist für einen Minister so ungewöhnlich wie wichtig.“ Gemkow fügt hinzu: „Wir kennen das Problem. Im neuen Doppelhaushalt haben wir daher allein 64 Stellen für junge Richter und Staatsanwälte neu geschaffen“.

Leitender Oberstaatsanwalt Bernd Hohmann und Justizminister Sebastian Gemkow sehen die kritische Entwicklung: Binnen zehn Jahren erreicht ein Drittel der Staatsanwälte das Rentenalter.

13:00 Uhr

Staatskanzlei, Dresden
Die Kabinettspressekonferenz hat bereits begonnen. Gemkow steht im Hintergrund. Gleich stellt er einen neuen Gesetzentwurf vor. Gemeinsam mit Thüringen will er sich für DDR-Heimkinder stark machen. „Wir können es nicht hinnehmen, dass den Betroffenen derzeit regelmäßig eine Entschädigung versagt bleibt.“ Für Gemkow sind solche Initiativen extrem wichtig. Schon sein Urgroßonkel war Widerstandskämpfer im dritten Reich. Sein Vater nahm ihn bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig auf die Schultern. Die Familiengeschichte hat den jungen Minister geprägt. Daher nimmt er bei diesem Projekt schon mal eine Vorreiterrolle ein.

15:00 Uhr

Ausbildungszentrum, Bobritzsch
Zeugnisausgabe in Bobritzsch. In dem Städtchen unweit von Freiberg werden in einem modernen Schulungszentrum Beamte für Justiz und Justizvollzug für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgebildet. Dass er als Minister den Absolventen persönlich gratuliert, findet Gemkow besonders wichtig. Das wird in seinem Grußwort deutlich: „Sie füllen die Justiz mit Leben. Ich freue mich mit Ihnen zu arbeiten.“ Für jeden Absolventen findet er ein persönliches Wort, fragt sie nach Wünschen und Zielen, freut sich mit. Seine Kollegin, die thüringische Justizministerin Anne-Maire Keding begrüßt Gemkowmit einer Umarmung. „Ich schätze sie sehr, als Kollegin und Gesprächspartnerin“. Zum Abschied hat er einen guten Rat: „Versuchen Sie die Welt als Ganzes zu sehen, nicht nur durch die Brille der Justiz!“

„Sie sind die Justiz von morgen“, Gemkow begrüßt die Absolventen des Ausbildungszentrums Bobritzsch. Persönliche und lobende Worte findet er dabei für jeden einzelnen Absolventen.

Sebastian Gemkow (38)
lebt mit seiner Familie in Leipzig. Er ist neben den Ministertätigkeiten Präsident des Forums Mittel- und Osteuropa sowie im Vorstand des Deutsch-Russischen Forums.

Fotos: Marko Kubitz

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