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WIRTSCHAFTSWUNDER PFERDEHOF

Was haben ein Reiterhof und ein Pflegeheim gemeinsam? Auf dem Gut Göritz wachsen diese scheinbar völlig unterschiedlichen Zweige zu einem außergewöhnlichen Gesamtkonzept zusammen: Mit einer innovativen Idee will sich die Leiterin Christina Barofke den Problemen des ländlichen Raums stellen und baut ein wirtschaftlich profitables Unternehmen auf. Die CDU-Fraktion des sächsischen Landtages hat sich auf dem Gut umgeschaut und ein beeindruckendes Unternehmen kennengelernt.

Ökologie ist wichtiger als Ökonomie", sagte der ehemalige sächsische Wirtschaftsminister Kajo Schommer. Diesen Satz hat sich Christina Borofke zu Herzen genommen. Seit 25 Jahren führt sie ihren Pferdehof in Göritz nach dieser Maxime. Borofke hatte einen Traum:

"Ich wollte einen wirtschaftlich funktionierenden Betrieb im ländlichen Raum aufbauen und gleichzeitig die natürlichen Gegebenheiten bewahren", sagt sie. Während die sächsischen Gemeinden unter starker Landflucht litten, zog es Borofke raus aus der Stadt. Von Leipzig zog sie nach Göritz.

Seitdem baut die Agraringenieurin und ehemalige Turnierreiterin einen Landwirtschaftsbetrieb mit Reitschule, Pferdezucht, Pension und seit März auch einem Pflegeheim auf.

Göritz liegt in Schönwölkau, einer Gemeinde im Norden von Leipzig. Treffender könnte ein Name nicht sein. Wie in einem Heimatfilm reihen sich Bauernhäuser und Pferdekoppeln aneinander.

Das Gut selbst kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Im 12. Jahrhundert schon wird ein erster Bau auf dem Gelände vermutet. Das über 200 Jahre alte Gutshaus war bis 1945 in meist adeligem Privatbesitz, nach dem Kriegsende war das Gut dann Teil eines großen VEB.

1992 hat Barofke hier mit vier Pferden begonnen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten konnte sie neun Jahre später das Gutshaus beziehen. Der renovierte Betrieb gewann auf Anhieb den Wettbewerb "zeitgemäße Reitanlagen". Mittlerweile sind es über 50 Tiere, die Barofke hier betreut, pflegt und züchtet. Außerdem führt sie Naturschutzmaßnahmen durch.

Im Rahmen mehrerer Förderprogramme werden die landwirtschaftlichen Flächen seit über 20 Jahren ökologisch bewirtschaftet. Mit zahlreichen neuen Hecken und Obstbäumen. Das neu eröffnete Pflegeheim ist die nächste Ergänzung in Barofkes  Gesamtkonzept: "Die Bevölkerung auf dem Land leidet immer mehr an Überalterung - viele wollen im Alter aber nicht in die Stadt ziehen".

Borofke will diesen Menschen eine professionelle Alternative in vertrauter ländlicher Umgebung bieten. Die Nachfrage ist jetzt schon groß. "Ich glaube, dass auch viele Menschen aus der Stadt Interesse haben, das Alter in Ruhe und auf dem Land zu verbringen". Barofke geht mit einem Beispiel voran, welche zukunftsfähigen Entwicklungsmöglichkeiten der ländliche Raum trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes bereithält. Trotz des Wachstums soll der Betrieb immer ein ländlicher bleiben. Das ist Voraussetzung für Barofkes Maxime: "Jeder Mensch und jedes Tier sollen sich auf dem Gut wohlfühlen."

Fotos: Leipziger Volkszeitung / Wolfgang Sens

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