Start-up

Start-Up-Land Sachsen?

Start-Ups sind zurzeit gefühlt überall. Doch was genau unterscheidet sie eigentlich von klassischen Unternehmern und Existenzgründern? Und muss es immer technisch sein? Auf der Suche nach Antworten haben wir mehrere einzigartige Unternehmer in Sachsen getroffen, mit Experten gesprochen und dabei festgestellt: egal, ob Start-up oder nicht, in Sachsen Gründen lohnt sich!

Aus Rio nach Pesterwitz

In Brasilien geliebt, in Deutschland unterschätzt: der Cachaça.

In der „Schatzkiste“, die Roman Wiele zu Terminen mitbringt, steckt das Geschäftsgeheimnis von „Passarinho“: zwei Flaschen Rum und eine Tüte Zucker. Wiele und sein Partner Jan Stübner vertreiben den ersten Bio-Cachaça auf dem deutschen Markt. Die brasilianische Spirituose, bekannt aus dem Cocktail Caipirinha, kommt direkt von einer Öko-Farm nach Deutschland. Allerdings ist die Adresse ihrer Firma alles andere als südamerikanisch: Pesterwitz steht auf der Rückseite der Flaschen, ein Stadtteil von Freital bei Dresden. „Das war eine bewusste Entscheidung, ein Statement für Heimatverbundenheit“, sagt Stübner  und lächelt vielsagend.

Stübner und Wiele sind viel gereist: Während Wiele in Australien arbeitete, studierte Stübner Entwicklungsökonomie in Barcelona. Weltbank, UNO oder humanitäre Stiftungen, das waren die klassischen Arbeitgeber seiner Kommilitonen. Stübner wollte einen eigenen Weg gehen: „Ich hatte genug gesehen und Ideen gesammelt. Damit wollte ich unbedingt zurück nach Sachsen, um selbst etwas aufzubauen“.

Bei einem Austausch in Rio de Janeiro hatte der Stipendiat der Konrad-Adenauer- Stiftung die brasilianische Trinkkultur kennengelernt. „In Brasilien wird guter Cachaça extrem gefeiert“, schwärmt Stübner. Zurück in Deutschland musste er feststellen: „Den weißen Rum gibt es hier in dieser Qualität gar nicht“. Ein Freund in Brasilien brachte ihn schließlich auf die Idee, eine eigene Marke aufzubauen.„Wir mussten auf einem sehr hart umkämpften und von Großkonzernen dominierten Markt eine völlig neue Marke kreieren, um überhaupt ernst genommen  zu werden und Fuß fassen zu können“, sagt Wiele.

Es hat funktioniert. Das Produkt hat seine Fans, sowohl in Bars, als auch bei Instagram, wo sich Passarinho mit stimmungsvollen Bildern inszeniert. Ein Kunde aus Spanien ist auf diesem Weg auf sie aufmerksam geworden und orderte mehrere hundert Flaschen für seinen Edelclub. Natürlich soll auch Passarinho wachsen: „In wenigen Jahren vertreiben wir hoffentlich europaweit hochwertige ökologische Produkte aus Südamerika“, sagt Wiele. Die beiden Gründer sehen sich selbst als Start-up: jung, dynamisch, vernetzt. Doch ist das nicht jeder Unternehmer am Anfang seines Weges?

Fotos: Daniel Motta

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