Das Scheitern salonfähig machen

Das Scheitern salonfähig machen

Bei der „Fuck Up Night“ erzählen gescheiterte Unternehmer von ihren Misserfolgen. Der Unternehmensberater Sören Frost, holte das Konzept nach Dresden. Ein Gespräch über die Notwendigkeit lehrreicher Niederlagen.

Herr Frost, wie steht es denn um Ihre Erfahrung mit Firmengründungen?
»Ich habe mein erstes Business vor 31 Jahren gemacht. Damals war ich 12 und verkaufte in der DDR gebrauchte Spielkonsolen, die „RFT TV Spiel“. In der DDR war die Nachfrage größer als das Angebot – meine erste praktische Lektion über die Preisbildung. Ich schaffte es, die gebrauchten Konsolen teurer zu verkaufen, als die neuen eigentlich kosteten. Später habe ich sehr viele verschiedene Dinge probiert.«

Klingt so, als wären sie für das Scheitern genau der falsche Ansprechpartner.
Warum haben ausgerechnet Sie die „Fuck Up Night“ nach Dresden geholt?

»Mit meiner Agentur „Gründernest“ habe ich seit 2006 über 500 Gründungen und Ausgründungsprojekte betreut. Da habe ich die Erfahrung gemacht: Niemand will scheitern. Schon gar nicht mit seinem Unternehmen. Aber wenn Sie Geschäfte machen, müssen Sie einfach von Zeit zu Zeit auf die Nase fallen. Das gehört zum Prozess: Ausprobieren, scheitern, anders probieren, Erfolg haben.«

Warum ist denn Scheitern in Deutschland so verpönt?
»Ich denke, das ist ein Mentalitätsproblem. Wir versuchen immer im „Richtig oder Falsch-Muster“ zu denken. Das beginnt schon bei den Schulnoten: Eine Eins ist gut, keine Eins ist schlecht. Gute Schulnoten sind richtig, schlechte sind falsch. So zieht sich das durch.«

Aber die Amerikanische Mentalität weiß mit dem Scheitern viel besser umzugehen. Warum?
»Auch das liegt an der Mentalität. Oftmals waren die Auswanderer nach Amerika diejenigen, die in Europa keine Existenzgrundlage hatten. Sie hatten nichts zu verlieren oder waren mutig genug, etwas Neues zu probieren. Die Amerikaner sind in ihrem Naturell eine Gründernation.«

Was bringt Ihre Veranstaltung?
»Zum einen ist es ein großartiger Erfahrungsaustausch: Auch aus den Misserfolgen Anderer können Unternehmer lernen. Zum anderen erfordert es großen Mut, sich vor ein Publikum zu stellen und seine Pleiten zu erzählen. So können wir das Scheitern salonfähig machen.«

Fakten:

Fotos: Jenny L. Stadthaus 

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