Zugewanderte schnell in Arbeit bringen

Eine Chance für Sachsens Unternehmen

Flüchtlinge sollten in Deutschland so weitgehend und schnell wie möglich in Arbeit kommen, wenn sie Aussicht auf dauerhaften Aufenthalt haben. Darüber sind sich Integrationspolitiker und die Wirtschaft einig. Die Unternehmen – von Metallbetrieben über das Hotel- und Gaststättengewerbe bis zur Altenpflege – hoffen darauf, ihren steigenden Arbeitskräftebedarf mit ihnen decken zu können. Die Migranten sollen die demografische Lücke ausgleichen. Nach einer Umfrage der Sächsischen Industrie- und Handelskammern sind fast zwei Drittel der Mitgliedsbetriebe grundsätzlich bereit Flüchtlinge einzustellen.

Für Betreuer von Asylsuchenden stellt deren Teilhabe am Arbeitsleben den Königsweg zur Integration dar. Sie verschafft den Betreffenden Selbstvertrauen, macht sie von Sozialleistungen unabhängig und bringt sie vor allem in engen Kontakt mit der Kultur und den Gebräuchen im Land.

Einfach wird der Weg sicher nicht. Acht von zehn Flüchtlingen kommen ohne Lehre an. Nur jeder Zehnte hat eine Berufsausbildung abgeschlossen, nur acht Prozent haben eine Universität besucht. Zu dem Ergebnis kommt eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung.

Wer ausgebildet ist und schon die Sprache gelernt hat, sollte bald eine Chance als Facharbeiter bekommen.

„Viele sind sehr jung, im ausbildungsfähigen Alter und in der Regel hochmotiviert zu lernen. Sie stellen damit ein großes Potential dar“, sagt Jörg Kiesewetter, der Integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. Er hatte mehrere Jahre lang die Ausländerbehörde des Landkreises Nordsachsen geleitet. Tatsächlich zeigen die Unternehmen großes Interesse an den Zugewanderten und wollen sie möglichst eine Ausbildung im dualen System mit Betriebspraxis und Berufsschule durchlaufen lassen. Das Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft bietet deshalb sogar eigene Deutschkurse an. Denn das Erlernen der Sprache ist Grundvoraussetzung für jeden weiteren Schritt.

Größte Schwierigkeiten bereiten allerdings die langen Wartezeiten, bis die Menschen nach ihrer Ankunft die ersten Schritte in Richtung Arbeitsmarkt gehen können. Für manche Gruppen besteht inzwischen eine Frist von mindestens einem halben Jahr, die sie in den Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben müssen. Von der Aufnahme einer Arbeit kann in der Zeit keine Rede sein. Um Wartezeiten auf dem Weg dahin zu verkürzen, hat die Bundesagentur für Arbeit das Modellprojekt „Early Intervention“ geprobt. In Dresden, einem von neun Teststandorten, hat der Leiter Andreas Babuke so schon rund hundert Flüchtlinge während der Erstaufnahme in Deutsch-Kurse geführt. Anschließend konnten sie sich um freie Facharbeiterstellen bewerben. Hier handelte es sich ausnahmslos um Personen, die bereits mit anerkennungsfähigen Zeugnissen hergekommen waren. Nach zwei Jahren soll das Angebot nun erweitert und zur Regel ausgebaut werden, kündigte Babuke an. Aufgrund mancher Probleme hat sich inzwischen auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass schon bei der ersten Registrierung der Flüchtlinge auch deren Ausbildungsstand abgefragt werden soll, um rascher beurteilen zu können, welcher Weg für den Einzelnen sinnvoll sein könnte.

Auch Frank Heidan, der Wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, drängt darauf, die Zugewanderten so schnell wie möglich in Betriebe zu bringen, selbst wenn sie dort noch nicht als Facharbeiter tätig werden können. Eine Idee von ihm: Den Firmen könnten dafür Einarbeitungszuschüsse gezahlt werden, wie es sie in den 1990er Jahren gegeben hat. Jedenfalls wünscht er sich mehr Kreativität im Wirtschaftsministerium, um die Menschen an die Betriebe heranzuführen. Mit Klaus Schuberth, der seit dem Spätsommer die Landesarbeitsagentur leitet, steht Heidan im häufigen Kontakt. Sein Wunsch an ihn ist es, im Sinne von Betrieben und Flüchtlingen Fristen zeitlich flexibler zu gestalten. (sr)

Foto: ©Istockphoto.com/Susan Chiang

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