5 Fragen zum neuen Schulgesetz

Nach zwölf Jahren wird das sächsische Schulgesetz reformiert. Der CDU Schulpolitiker Patrick Schreiber ist Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag und beantwortet die wichtigsten Fragen dazu

1 Was wird sich mit dem neuen Schulgesetz in Sachsen künftig ändern?
Das neue Schulgesetz reagiert auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse mit den notwendigen Veränderungen. „Dazu zählen vor allem Fragen der demografischen Entwicklung, Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie erweiterte Beteiligungsmöglichkeiten im Schulalltag“, erklärt CDU-Schulpolitiker Patrick Schreiber. Außerdem muss die Novelle auf neue Herausforderungen der zunehmend digitalisierten Wirtschaftswelt eingehen. „Hierzu werden die Grundlagen der digitalen Bildung erweitert, neu gedacht und in den Schulalltag implementiert.“

2 Was bedeutet das Gesetz eigentlich für die Schulen im ländlichen Raum?
Bereits im Jahr 2013 hat sich die damalige Regierung aus CDU/FDP darauf verständigt, dass es zu keinen weiteren Schulschließungen kommen darf – insbesondere im ländlichen Raum! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf wird dies nun in geltendes Recht umgesetzt. Im Hinblick auf Mindestklassengrößen und der Anzahl der Klassen pro Jahrgang wird künftig zwischen städtischen Ballungszentren und ländlichem Raum unterschieden. „Durch jahrgangsübergreifenden Unterricht wird kleineren Grundschulen ein Überleben gesichert“, betont Schreiber.

3 Wann tritt das neue Schulgesetz in Kraft?
„Der Zeitplan sieht vor, dass das neue Schulgesetz mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 in Kraft tritt“, sagt Schreiber. „Seitens der Staatsregierung gab es dazu im ersten Halbjahr 2016 ein umfangreiches Anhörungs- und Beteiligungsverfahren, welches in einen zwischen den Koalitionspartnern CDU und SPD abgestimmten Gesetzesentwurf mündete.“ Der Landtag hat dazu bereits mehrere Anhörungen von Sachverständigen im zuständigen Schulausschuss durchgeführt, derzeit befindet sich der Entwurf im parlamentarischen Verfahren.

4 Warum hält Sachsen am zweigliedrigen System mit Oberschulen und Gymnasien fest?
Schreibers Ansicht nach verdankt Sachsen seine Spitzenposition in Sachen Bildung vor allem dem gegliederten Schulsystem. „Es ist in meinen Augen nicht entscheidend, ob ein Kind nach der vierten Klasse auf die Oberschule oder das Gymnasium wechselt. Viel wichtiger für einen erfolgreichen Bildungsweg ist es, dass das Bildungssystem in jeglicher Richtung durchlässig ist“, sagt der CDU-Schulpolitiker. Auch sei es keine Schande, wenn ein Schüler die Klasse 10 der Oberschule mit guten Ergebnissen verlässt und anschließend über den Weg des beruflichen Gymnasiums zum Abitur geführt wird. Im Übrigen hat Sachsen derzeit keinen Mangel an Abiturienten – Mittelstand und Handwerk klagen vielmehr über zu wenig gut ausgebildete Oberschüler. Schreiber: „Die Oberschule ist und bleibt daher das Kernstück unseres sächsischen Bildungssystems.“

5 Welche Arten der Unterstützung erhalten die Schulen zukünftig?
„Zur Umsetzung des Inklusionsgedankens bedarf es zusätzlicher Ressourcen aus verschiedenen Unterstützungssystemen. Dazu zählen beispielsweise die Inklusionsassistenten, die mit Beginn dieses Schuljahres an über hundert Schulen im Freistaat ihre Tätigkeit aufnehmen“, erläutert Schreiber. Außerdem müssen Kooperationen zwischen den Regelschulen und Förderschulzentren intensiviert werden. Auch die Arbeit der kommunalen Sozialämter und Schulen muss besser miteinander verzahnt werden. Ein wichtiger Beitrag zum Gelingen des Schulalltages ist der Ausbau von Schulsozialarbeit. „Deshalb werden wir ab dem Jahr 2017 die Kommunen bei dieser Aufgabe mit einem Landesprogramm von jährlich 15 Millionen Euro unterstützen. Darauf bin ich sehr stolz“, sagt Schreiber.

Stichwort

In Sachsen werden Lehrer gesucht

Gründe für den gestiegenen Bedarf sind unter anderem die gestiegene Anzahl der Geburten und damit auch der Schüler sowie der anstehende Generationenwechsel bei den Pädagogen in den Lehrerzimmern. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und an den Regelschulen werden mehr Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf integriert. Der langfristige Plan der CDU-geführten Staatsregierung sieht deshalb mehr Flexibilität in der Aus- und Weiterbildung zukünftiger Lehrkräfte vor. Ab dem Wintersemester 2016/2017 werden zunächst mehr Lehrkräfte ausgebildet: Statt wie bisher 1.800 können dann 2.000 Studenten pro Jahr immatrikuliert werden. Außerdem setzt Sachsen auf Seiteneinsteiger, die berufsbegleitend pädagogisch qualifiziert werden. „Um neue Lehrer ins Land zu holen, müssen wir ihnen attraktive Bedingungen bieten“, betont der CDU Fraktionsvorsitzende Frank Kupfer im Gespräch mit der „Leipziger Volkszeitung“. Dafür wird zurzeit um Lösungen gerungen. Das Thema Lehrerbedarf wird auch bei den kommenden Haushaltsverhandlungen ganz oben auf der Tagesordnung der CDU-Fraktion stehen.

Bildung Digital

Apps, Feeds, Tweets –Begriffe aus dem Internet, die Lehrer heute kennen sollten. Neue Medien verlangen vielfältiges Wissen und Fähigkeiten. Darauf muss sich auch die Ausbildung einstellen. Künftig soll hier ein Schwerpunkt auf kultureller und Medienbildung liegen. Das ist eine zentrale Forderung der CDU. „Die Einbindung der Medienbildung in die Referendarausbildung ist dabei nur ein erster Baustein“, sagt Aline Fiedler, die medienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Denkbar sind beispielsweise auch weiterführende Angebote in der Lehrerfortbildung.

Jung trifft Alt

Geht zurück zu den Wurzeln!

Jung trifft Alt. Ein Lehramtsstudent im Gespräch mit einem gestandenen Pädagogen. Mehr als 30 Berufsjahre liegen zwischen ihnen. Sie haben vieles gemeinsam. Beim Thema Technik rät der alte Hase: Nimm lieber ein Stück Kreide und geh an die Tafel. Das ist besser als ein bunter Computer-Vortrag.

Frank Haubitz, Schulleiter
„Ich bin seit 33 Jahren Lehrer. Ich wurde es, weil ich es besser machen wollte als die meisten meiner eigenen damals in der Schule. Der Lehrerberuf ist der schönste, den ich mir vorstellen kann. Ich mag meine Schüler. Es ist toll, ihnen zu zeigen, was sie können. Ich bin stolz auf sie, wenn ich am Schuljahresende die Jahrgangsbesten auszeichnen kann. Ein Höhepunkt sindEhemaligen-Treffen. Da sieht man als Lehrer, was aus den Kindern von einst geworden ist. Das Berufsbild hat sich aber verändert, weil die Schüler heute anders sind. Wir kompensieren als Lehrer viel mehr Defizite der elterlichen Erziehung als früher. Da hilft nur eine klare Führung durch uns Lehrer. Die Schüler müssen dabei aber auch spüren, dass sie gerecht behandelt werden. Junge Kollegen sind ein positiver Input. Sie bringen frischen Wind mit und k.nnen uns .lteren auch Tipps beim Umgang mit neuer Technik geben. Ich habe aber auch einen Rat: Geht zurück zu den Wurzeln! Ein mit den Kindern erarbeitetes Tafelbild mit Kreide ist oft effektiver, als manch bunter Vortrag auf dem Computer.“

Paul Schäfer, Lehramtsstudent
„Ganz ehrlich: Lehrer war ursprünglich nicht mein Berufswunsch. Ich hatte erst Rechtswissenschaften studiert. Mittendrin merkte ich aber, dass es das nicht für mich ist. Ich wollte meine Perspektive wechseln. Nun studiere ich Lehramt Deutsch und Gemeinschaftskunde für die Mittelschule. Aus heutiger Sicht waren bei mir die Lehrer prägend, die in der Schule nicht zu meinen Favoriten zählten. Denn eine gewisse Strenge ist eigentlich gut, man muss die Kinder dabei ernst nehmen und fair sein. Ich hatte während des Abiturs einen Biolehrer, der war anstrengend, alles andere als ein Kumpeltyp. Aber er hat in der letzten Stunde gesagt: Jetzt könnt ihr es! Er hatte recht. Danach durften wir ihn duzen. Bei ihm haben wir etwas gelernt. Als junger Lehrer werde ich mir davon einiges abschauen. Dazu kann ich den älteren Kollegen viel über mobile Endgeräte beibringen. Wir sollten Handys und Tablet-PCs stärker in den Unterricht einbinden. Ein Lehrer sollte keine Angst vor neuer Technik haben.“

Foto: ©Istockphoto.com/Susan Chiang

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