Integration: Was wir erwarten

Sachsen wurde im vergangenen Jahr vor große Herausforderungen gestellt. Fast 70.000 Flüchtlinge und Asylsuchende kamen im Freistaat an!

Das Thema Integration steht deshalb bei fast allen Parteien auf der Tagesordnung weit oben. Die Position der CDU-Fraktion ist hierbei sehr klar: Wer eine dauerhafte Bleibeperspektive hat, muss sich integrieren.

„Integration ist kein Wohlfühlprogramm – Integration ist Pflicht! Sie bedeutet, sich in unsere Gesellschaft einzubinden“, sagt Frank Kupfer, der Vorsitzende der CDU Fraktion im Landtag. Parallelgesellschaften wird man nicht dulden.

„Wir müssen klar sagen, was wir von den Menschen erwarten können, die bei uns eine neue Heimat finden wollen“, so Kupfer. Flüchtlinge und Asylbewerber müssen eigenverantwortlich ihren Beitrag zur Integration leisten.

Dazu zählt zum Beispiel das Respektieren der Werte des Grundgesetzes, das schnelle Erlernen der deutschen Sprache und der Wille, sich zu bilden und zu arbeiten. Kupfer: „Unser Grundgesetz steht über allem, auch über der Religion – meiner wie auch derer, die zu uns gekommen sind.“ Wer bleiben will, egal wie lange, muss das ohne Wenn und Aber anerkennen.

„Wir haben aus den Erfahrungen der Flüchtlingswelle gelernt und werden uns auch zukünftig den Herausforderungen in diesem Bereich stellen“, sagt Jörg Kiesewetter, der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. Für die Unions-Politiker steht fest: Mit

Gewaltexzessen, sexuellen Übergriffen oder Straftaten verwirken Asylbewerber jeden Anspruch, bleiben zu dürfen.

Kiesewetter erklärt: „Sachsen hat im Verlaufe des Jahres 2015 bis heute zahlreiche Integrationsangebote etabliert, die sich in den bundesrechtlichen Rahmen einbetten. Unser Kabinett hat in einer Sondersitzung ein Maßnahmenpaket von mehr als 34 Mio. Euro beschlossen und sich in weiteren Sitzungen beispielsweise mit Maßnahmenanpassungen beschäftigt.“

Die CDU-Fraktion schlägt unter anderem eine verbindliche Integrationsrichtschnur vor. In der sollte festgehalten werden, welche Leistungen der Asylbewerber zu erbringen hat – sowie mögliche Folgen bei Nichterfüllung! Zudem muss die Teilnahme an Deutschund Integrationskursen verbindlich sein.

Kiesewetter: „Ich sehe Sachsen mit den initiierten Maßnahmen auf gutem Wege. Natürlich sind fortlaufend weitere Anpassungen an die sich immer noch ändernde Rechtslage auf Bundesebene nötig.“ Zudem müsse eine Wirkungsprüfung der sächsischen Integrationsmaßnahmen erfolgen.

Hans Giljana berichtet

Ein Iraker erzählt von seinem Weg nach Sachsen

Als Christ verfolgt, floh Hans Giljana mit Mutter und Schwester aus dem Irak. Seit zwei Jahren führt er eine Barbierstube in der Dresdner Neustadt

Giljana’s Barbierstube hat nicht viel mit einem normalen Friseursalon gemein. Nach dem Vorbild reiner Herrenfriseure der 1920er Jahre kümmert sich Hans Giljana um das männliche Kopf- und Barthaar. Zeit sollte man mitbringen, denn Termine lassen sich nicht vereinbaren und seine Leistungen beschränken sich klar auf fünf Frisuren. „Saubere Schnitte und klare Linien“ – das ist sein Motto.

Die Barbierstube ist das Lebenswerk eines Flüchtlings, der 1996 während des zweiten Golfkrieges mit Mutter und Schwester vor Saddam Hussein nach Deutschland floh. Im Irak wurden sie als religiöse Minderheit verfolgt. „Hier in Deutschland hatte ich die Möglichkeit, in Frieden zu leben, die Schule zu besuchen und meinen Traum zu verwirklich, mein eigener Chef zu sein“, sagt der 29-Jährige.

Dankbar und stolz sei er auf Deutschland für diese Chance. „Meiner Meinung sollten das alle Flüchtlinge so sehen, stolz zu sein auf diese Möglichkeit – und vor allem, diese auch zu nutzen“, sagt Giljana. Mit seiner Barbierstube schrieb er Erfolgsgeschichte, nicht ganz geradlinig, sondern mit allen möglichen Wendungen des Lebens. Nach der mittleren Reife entdeckte er während seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer seine Leidenschaft zum Handwerk des Barbiers. Eine Ausbildung zum Friseur kam für ihn allerdings nicht infrage. Im Libanon erlernte er das Handwerk und besuchte eine Barbier-Meisterschule in Beirut. Nach vielen bürokratischen Hürden wurde seine Ausbildung schließlich von der Handwerkskammer anerkannt.

Die Bemühungen, seinen eigenen Weg zu gehen, wurden belohnt und die Handwerkskammer Dresden möchte wohl von seinen Erfahrungen profitieren: „Kürzlich bekam ich eine Einladung. Man möchte sich mit mir über die Integration ausländischer Berufsabschlüsse austauschen und lädt mich zur Zusammenarbeit ein“, sagt Giljana. Mittlerweile nimmt er auch erfolgreich an deutschlandweiten Barbier-Wettkämpfen teil. Als nächstes möchte Hans Giljana seine Erfolgsgeschichte aufschreiben – in einem Buch.

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