Forschungs- und Wissenschaftsland Sachsen

Auch in Zukunft keine Studiengebühren

Die Zahl der Studenten im Freistaat soll weiterhin hoch gehalten werden, um Ideen und Fachkräfte zu holen. Die Aufnahme eines Studiums darf dabei nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein.

In Sachsen studieren derzeit knapp 114.000 Studierende an vier Universitäten, fünf Kunsthochschulen, fünf Fachhochschulen, sieben Berufsakademien und zwei Verwaltungsfachhochschulen. Um die Qualität der Lehre und das breite Fächer-Angebot zu gewährleisten, sind im Doppelhaushalt 2013/2014 zur Förderung der Hochschulen über 2,5 Milliarden Euro eingestellt.

Hochschulpakt

Mit dem «Hochschulpakt 2020» investieren Bund und Länder zusätzliche Mittel in den Ausbau von Studienmöglichkeiten und sichern so ein bedarfsgerechtes Angebot. In den Jahren 2011 bis 2015 stehen dadurch pro zusätzlichen Studienanfänger 26.000 Euro zur Verfügung, wovon die Länder 13.000 Euro bereitstellen und die Gesamtfinanzierung sichern.

Die mit dem «Hochschulpakt 2020» bereitgestellten Mittel werden in Sachsen insbesondere dafür verwendet, den qualitativen und quantitativen Ausbau der Ausbildung von Lehramtsstudenten an der Universität Leipzig, den Technischen Universitäten Dresden und Chemnitz sowie den Musikhochschulen in Dresden und Leipzig – als Teil des sogenannten «Bildungspaketes Sachsen 2020» – abzusichern  und den befristeten Einsatz zusätzlicher Lehrkräfte zu ermöglichen. Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Hochschulmedizin dar, die das Universitätsklinikum Leipzig, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und die Medizinischen Fakultäten der Universität Leipzig und der Technischen Universität Dresden umfasst.

Finanzausstattung der sächsischen Hochschulen

Bisher gab es keine finanziellen Kürzungen an sächsischen Hochschulen. Ganz im Gegenteil: Seit Jahren steigen die finanziellen Zuweisungen des Freistaates für die Hochschulen. Der ebenfalls vor Jahren beschlossene Stellenabbau, der aufgrund der demografischen Entwicklung alle Bereiche des öffentlichen Dienstes betrifft – kommt im Jahr 2015 erneut auf den Prüfstand und wird anhand der dann erkennbaren Entwicklung ergebnisoffen evaluiert.

Der Wunsch, die Hochschulen sollten jetzt unbefristete Stellen schaffen, ist ein akademischer wie finanzpolitischer Irrweg. Denn sollten diese Stellen später nicht mehr benötigt werden, belasten sie unnötig das System und führen zu Kürzungen an anderer Stelle.

Hochschulfreiheit

Daneben bekennen wir uns zur Hochschulfreiheit. Diese schließt auch die Freiheit der Finanzierung nicht aus. Deshalb besteht seit dem Jahr 2013 die Möglichkeit für sächsische Hochschulen, von Studierenden aus Nicht-EU-Staaten Studiengebühren zu erheben, wenn sie der Lehre zugute kommen. Daran gekoppelt ist allerdings die Bedingung, dass für die Betroffenen ein entsprechendes Stipendienprogramm angeboten wird.

Als erste Hochschule hat die Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Leipzig diese Möglichkeit wahrgenommen. Die gestiegenen Bewerberzahlen in dieser Gruppe zeigen den Erfolg dieser Maßnahme.

Hochschulautonomie bewahren und stärken

Damit der Staat nicht in die Hochschulen hineinregiert, wurde die Hochschulfreiheit gestärkt. Die Hochschulen verfügen so über weite Spielräume, in denen sie ihre Entwicklung selbst bestimmen.

Die Hochschulen im Freistaat benötigen so viele freie Gestaltungsspielräume wie nötig. Denn vor Ort kennen die Entscheidungsträger die Bedürfnisse ihrer Hochschule am besten. Anstatt eines zentral in die Hochschulen hineinregierenden Staates stehen wir für autonome Hochschulen.

Unter dem Stichwort «Hochschulautonomie» verstehen wir den Abbau von staatlichen Detailregulierungen, um so die Eigenverantwortlichkeit der Hochschulen zu stärken. Mit dem von uns beschlossenen und seit Anfang 2013 geltenden Hochschulfreiheitsgesetz wurde diese Vorstellung in die Tat umgesetzt.

Mit diesem Gesetz wurde unter anderem die Stellenplanbindung an den Hochschulen weiter gelockert. Die Hochschulen sind somit nicht mehr für ihr nicht verbeamtetes Personal an einen vom Freistaat Sachsen vorgegebenen Stellenplan gebunden. Stattdessen werden ihnen die entsprechenden Finanzmittel zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde die Beteiligung der Hochschulen an Unternehmen vereinfacht.

Studienabsolventen im Freistaat halten

Rund fünf Prozent aller Studierenden in Sachsen kommen aus dem Ausland. Sie und Studierende aus anderen Bundländern sollen nach ihrem Abschluss als qualifizierte Fachkräfte in Sachsen gehalten werden.

An Sachsens Hochschulen geht es international zu: Von den 113.394 Studenten und Studienanfängern, die im Jahr 2013 an sächsischen Hochschulen immatrikuliert waren, stammen 5.505 aus dem Ausland.

Diese jungen Menschen aus der ganzen Welt bereichern die Hochschulen im Freistaat, da sie neue Perspektiven in die Forschung und die Lebensweisen einbringen. Aufgrund des demografischen Wandels können diese jungen Absolventen als Fachkräfte den Freistaat bereichern und helfen Sachsens Wohlstand und Wirtschaftskraft noch konkurrenzfähiger machen.

Um der Herausforderung des Fachkräftemangels zu begegnen, müssen wir auch in Zukunft Studienplätze für ausländische Studenten bereithalten und Anreize schaffen, damit die Absolventen auch nach einem erfolgreichen Studienabschluss im Freistaat bleiben.

Berufsakademien – Wissenschaft trifft Praxis

Das Netz sächsischer Berufsakademien wollen wir weiter ausbauen. Denn sie bringen dank ihrer Kombination aus theoretischer und praktischer Lehre hervorragend ausgebildete Fachkräfte für morgen hervor.

Mit der Gründung der ersten Berufsakademien in Sachsen vor zwei Jahrzehnten begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte des dualen Studiums im Freistaat. Seit Jahren verzeichnen die Berufsakademien steigende Zahlen an Studierenden und Partnerunternehmen. Heute studieren im Freistaat mehr als 5.000 Frauen und Männer an sieben Standorten sächsischer Berufsakademien.

Sachsen als Land der qualifizierten Fachkräfte benötigt diesen hochqualifizierten Nachwuchs, um den zukünftigen Herausforderungen begegnen zu können. Die Berufsakademien sind dabei ein erfolgreiches Mittel. Durch die Synthese aus erlebter Praxis im Unternehmen und Lehrveranstaltungen auf hohem universitärem Niveau werden junge Menschen an die betriebs- und ingenieurwissenschaftlichen Berufe herangeführt.

Zudem leisten die Berufsakademien als Brücke zum universitären Masterstudium einen wertvollen Beitrag zur Öffnung und Durchlässigkeit der beruflichen und akademischen Bildungssysteme.

All das ist eine gute Ausgangsbasis für die Weiterentwicklung der Berufsakademien in Sachsen. Noch immer übersteigt die Zahl der Bewerbungen die der Studienplätze um bis zu 50 Prozent. Deshalb wollen wir mit unserer zukunftsorientierten Hochschulpolitik die Kapazitäten bei den Berufsakademien weiter ausbauen, insbesondere im ländlichen Raum.

Gemeinsam die internationale Spitze erreichen

Mit gemeinsamen Ressourcen und Ideen an die Weltspitze: Sachsens Forschung kann im Verbund noch mehr leisten. Neben dem Wissenschaftsstandort Dresden hat auch Leipzig noch viel Potenzial.

Mit Forschungs- und Lehrverbünden zwischen einzelnen Forschungsinstitutionen fällt der Erkenntnisgewinn bedeutend höher aus, können Ressourcen und Kompetenzen noch effizienter eingesetzt werden. Nur so können sächsische Forschungseinrichtungen ihr ganzes Potenzial entfalten, um langfristig eine internationale Spitzenposition einzunehmen. Ein Verbund schafft auch mehr Räume für Forscher, die so zusammenfinden, sich gegenseitig anspornen und inspirieren können. Wir setzen uns für diese Praxis des Begegnens und Zusammengehens ein.

Ein gutes Beispiel für die Wirksamkeit dieser Idee ist das DRESDEN concept – ein Verbund der Technischen Universität Dresden mit starken Partnern aus Wissenschaft und Kultur. Ihr Ziel: Die gebündelte Exzellenz der Dresdner Forschung sichtbar zu machen und weiter zu heben.

Ganz konkret zielt die Zusammenarbeit im DRESDEN concept auf folgendes ab: Die Partner erschließen und nutzen Synergien in den Bereichen Forschung, Ausbildung, Infrastruktur und Verwaltung, koordinieren ihre Wissenschaftsstrategie und identifizieren die Gebiete, auf denen Dresden international führt. Auf dieser Grundlage wird dann eine gemeinsame Strategie entwickelt, weltweit führende Forscher des jeweiligen Fachgebietes für Dresden zu gewinnen.

Ein genauso großes Potenzial besteht bei der Universität Leipzig und deren Umfeld. Wir befürworten eine mitteldeutsche Verbundlösung, die fachspezifisch ein standortübergreifendes Studium an den Universitätsstandorten Jena, Halle und Leipzig ermöglichen kann. Die Vorteile liegen für uns auf der Hand: Einerseits kann das breite Fächerangebot im Freistaat Sachsen aufrechterhalten werden, andererseits wird so eine hochschulübergreifende Bündelung der Ressourcen ermöglicht.