Andreas Heinz MdL - Rede zur Regierungserklärung des Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft, Frank Kupfer MdL
137. Plenarsitzung am 15. Mai 2009 - TOP 1
Es gilt das gesprochene Wort!
Ansprache,
wir stehen am Ende der 4. Legislaturperiode des Sächsischen Landtages, und
es ist sicher kein Novum, dass ein Fachminister in dieser Zeit eine
Regierungserklärung abgibt - und das ist gut so. Es handelt sich nämlich um ein
sehr bedeutendes Thema, welches in den vergangenen Jahren sehr, sehr viel
Engagement unsererseits bedurfte. Und wir stritten und arbeiteten auch gern für
das Ziel Gleichwertiger Lebensbedingungen in Stadt und Land.
Die Dörfer sind die Basis unseres täglichen Lebens. Das Dorf ist Heimat. Es
vereint Arbeits-, Wohn- und Sozialfunktionen. Deshalb ist seine ganzheitliche
Entwicklung notwendig. Der ländliche Raum bedarf aufgrund seiner
Differenziertheit und seiner Bedeutung für die heutige und für die künftigen
Generationen regional unterschiedlicher Strategien für dessen nachhaltigen
Fortbestand
Die Förderung des ländlichen Raumes beschränkt sich daher nicht nur auf
Zuschussgewährung an Privatpersonen oder Kommunen zur Finanzierung von
einzelnen Investitionsvorhaben, sondern sie ist vielmehr die Summe aller
Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung eines funktionsfähigen dezentralen
Siedlungsgefüges. Das Dorf soll und muss auch künftig seinen eigenständigen
Charakter bewahren. Dorf muss Dorf bleiben, und zwar unabhängig von der
Entwicklung auch politischer Gemeinden in der nächsten Zeit!
Dem ländlichen Raum galt und gilt es besondere Aufmerksamkeit zu widmen, da
unsere Land eine strukturelle, gestalterische und kulturelle Entwicklung
aufweist, die in Europa Ihresgleichen sucht. Damit und mit der inneren Bindung
der Bewohner mit ihren Dörfern entsteht eine Bindung, die Heimatgefühl
herstellt und die man auch als „Seele" desDorfes bezeichnen kann. Dazu gehören
sowohl die Menschen, als auch die Objekte, die Gebäude, die das Bild des Dorfes
ausmachen und das ist es, was unseren Freistaat ausmacht – der ländliche Raum
ist die Seele unseres Freistaates.
Anrede,
nach diesen etwas nachdenklichen Worten, möchte ich auf die härteren Fakten
zurückkommen. Der Staatsminister hat dazu bereits ausführlich gesprochen. Wo
steht der Ländliche Raum, wo soll es hingehen? Was haben wir dazu getan? Welche
Vorstellungen hat die CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages dazu?
An erster Stelle möchte ich mich bereits im Vorfeld dafür entschuldigen,
dass ich nicht alle Themen hier ansprechen kann. Zum Einen werden dazu dann
noch meine Kollegen an dieser Stelle etwas sagen, andererseits ist das Thema so
komplex, dass 10 Minuten hier vorn überhaupt nicht ausreichen.
Der Ländliche Raum ist Wirtschaftsstandort:
Zu den bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren zählen ohne Zweifel die Land-,
Forst- und Fischereiwirtschaft. Diese Wirtschaftszweige sichern einerseits
Arbeitsplätze im Ländlichen Raum, sichern die Pflege der jahrhundertealten
Kulturlandschaft, andererseits, was noch viel wichtiger ist, tragen sie zur
Ernährungssicherheit bei. Ihre Produkte sind Grundlage für die vielfältige
Nahrungsbereitstellung und für die große Auswahl an Nahrungsmitteln, die wir in
den Geschäften kaufen können. Angesichts dieser Bedeutung, ist für jeden
nachvollziehbar, dass diese Bereiche besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Die
CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages steht für eine zielgerichtete
Unterstützung der Land-, Forstwirtschaft und Fischereiwirtschaft. Das Leitbild
sind wettbewerbsfähige Betriebe, die ressourcenschonende Verfahren anwenden.
Wir wollen den Menschen auf dem Land aber noch mehr Chancen eröffnen, mit
selbst verdientem Geld ihr Leben selbst zu gestalten. Wir legen deshalb
besonderen Wert darauf, dass im ländlichen Raum Arbeitsplätze außerhalb der
klassischen Tätigkeitsbereiche erhalten bleiben und neu entstehen. Nur so
konnten sich mehr als 72.000 erfolgreiche Unternehmen im Ländlichen Raum
ansiedeln.
Dort wo heute noch, regional sehr differenziert, Arbeitsplätze fehlen – und
das vor allem für qualifizierte Frauen -, werden die demografische Entwicklung
und die Tendenzen zur Abwanderung bereits in naher Zukunft zu einem Wettbewerb
um Nachwuchs und Fachkräfte führen. Beiden Herausforderungen müssen wir uns
stellen. Der Erhalt der bestehenden und die Schaffung zusätzlicher
Arbeitsplätze sind die zentralen Herausforderungen für eine nachhaltige
Entwicklung im Ländlichen Raum. D. h. der Ländliche Raum darf nicht zum reinen
Wohnstandort verkommen. Dort wo man wohnt, muss auch ein Angebot an
Arbeitsplätzen existieren.
Der Ländliche Raum ist Lebensraum für Familien:
Die CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages steht für einen lebenswerten
Ländlichen Raum. Wir wissen, dass sich die Welt zunehmend schneller verändert.
Die Globalisierung spart Sachsen nicht aus – auch wenn das einige ewig Gestrige
nicht wahr haben wollen. Deshalb ist es um so wichtiger, dass wir den
Ländlicher Raum flächendeckend an schnelle Internetverbindungen anschließen.
DSL-Geschwindigkeit, die es in fast allen Städten bereits gibt, muss auch für
den Ländlichen Raum selbstverständlich sein.
Die Attraktivität des naturnahen, von dörflicher Solidarität geprägten
Ländlichen Raums als Lebensraum für Familien hängt wesentlich davon ab, ob
neben diesen Vorzügen auch die Betreuung der Kinder gewährleistet ist. Die
CDU-Fraktion bekennt sich deshalb zu einem hohen Versorgungsgrad mit
Kindertageseinrichtungen. Trotz einer insgesamt guten Ausgangslage sind darüber
hinausgehende flexible Regelungen bei Öffnungszeiten sowie alternative
Angebote(Tagesmütter etc.) erforderlich, um die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf mit Blick auf die beruflichen Perspektiven für junge und qualifizierte
Frauen im Ländlichen Raum zu verbessern.
Und trotz aller Anstrengungen, Arbeitsplätze votr Ort zu schaffen, gilt es
den Ländlichen Raum besser straßenmäßig anzubinden. Die von Sachsen
angemeldeten Projekte zum Aus- und Neubau von Bundesstraßen sind unverzichtbar.
Auch der Ausbau des Staatsstraßennetzes ist fortzuführen. Das gilt für
zusätzliche Ortsumgehungen, die die Einwohner vom Durchgangsverkehr entlasten
und eine schnellere Verbindung in die Zentren ermöglichen.
Leistungsfähige Verkehrsanbindungen sind sowohl in ihrem Interesse als auch
für die Ansiedlung weiterer Unternehmen im Ländlichen Raum unverzichtbar.
Um die Attraktivität des Ländlichen Raums weiter zu erhöhen, müssen die
besonderen Belastungen des Eigentums im ländlichen Raum überprüft und möglichst
gemildert werden. Öffentliche Abgaben, Standards und Pflichten dürfen nicht
dazu führen, dass das Leben auf dem Lande unmöglich wird. Eigentum stiftet
Identität. Deshalb wollen wir junge Familien gezielt bei der Schaffung von
Wohneigentum unterstützen.
Der Ländliche Raum ist Natur und Landschaft
Sachsen verfügt über eine einzigartige Kultur- und Naturlandschaft mit
großen Traditionen und einem herausragenden Stellenwert für die Zukunft. Die
Erhaltung der Lebensräume für die Artenvielfalt von Flora und Fauna bleibt im
Mittelpunkt beim Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Und um diese Ziele
weiter zu verfolgen, bzw. Erreichtes zu erhalten, braucht der Ländliche Raum
keine Grünen Sprücheklopfer. Der Ländliche Raum ist sich dessen bewusst und
weiß, was Nachhaltig wirtschaften bedeutet - nicht erst im
Zeichen des Klimawandels.
Die Bewahrung der Schöpfung war und ist unser erklärtes Ziel. Nachhaltig zu
wirtschaften ist Leitsatz unseres Handelns auf allen Feldern der Politik. Das
Prinzip der Nachhaltigkeit wurde in Sachsen bereits im 18. Jahrhundert -
ausgehend von der Forstwirtschaft – entwickelt. Wir betreiben eine konsequente
und am Wohl unserer Bürger orientierte Umweltpolitik, die aktiv dem Klimawandel
und dem Rückgang der Artenvielfalt begegnet.
Dieser Umweltschutz geht nur mit dem Bürger. Deshalb setzen wir auf
Information und Aufklärung, schaffen Anreize statt zu verordnen. Unsere
Umweltpolitik nimmt die Sorgen der Bürger ernst. Pragmatismus statt Ideologie,
Konzentration auf Ergebnisse statt Lust am Streit ist unsere Devise. Das
bestätigt das Engagement von mehr als 500 Mitgliedsunternehmen in der
Umweltallianz Sachsen, die sich durch zusätzliche freiwillige Umweltleistungen
auszeichnen und vielen Fällen im Ländlichen Raum angesiedelt sind.
Anrede,
wie ich bereits gesagt habe, reichen diese 10 Minuten Redezeit bei weitem
nicht aus, um hier alle Bereiche des Ländlichen Raums zu betrachten. Ich habe
deshalb stellvertretend nur drei Aspekte herausgefiltert, welche typisch sind.
Die Sprache und die Familie, die Kunst und Kultur(-landschaft) sowie die
vertrauten Lebensräume stiften Identität. Gemeinsame Geschichte und Traditionen
prägen die Menschen. Daraus erwächst Lebensqualität. Gerade in Sachsen bietet
der Ländliche Raum diese Vorteile.
Das Image unseres Landes muss durch weitere gemeinsame Kampagnen von
Kommunen und Freistaat verbessert werden. Auch Wappen, Symbole, Flaggen und
Lieder schaffen Identität. Unser Landeswappen und unsere Landesflagge sollen
stärker in den Vordergrund treten, für jeden sichtbar sein und einen festen
Platz im Leben der Sachsen einnehmen. Die Sächsische Identität wurde in den
vergangenen Jahren vor allem im Ländlichen Raum mit seiner traditionellen
Wirtschaft, der traditionellen Pflege der Kulturlandschaft und der darin
lebenden Menschen aufrechterhalten. Dies gilt es zu sichern und weiter
voranzutreiben.
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