Fachforum: Die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte modernisieren. Positionen und Perspektiven.

Die heutige Form der Erzieherausbildung in Deutschland geht auf länderübergreifende Vereinbarungen zurück, die mittlerweile 50 Jahre alt sind. Daher stellt sich die Frage: Kann dieses Modell einer fünfjährigen vollzeitschulischen Ausbildung nach wie vor Antworten auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Kindertagesbetreuung geben?

Nach Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts benötigen wir in Deutschland bis zum Jahr 2025 zusätzlich 170.000 pädagogische Fachkräfte – ausschließlich, um die altersbedingten Abgänge zu kompensieren! Darüber hinaus werden weitere pädagogische Fachkräfte benötigt, um die Qualität frühkindlicher Bildung zu steigern. Mit der Schlüsselverbesserung auf 1:12 und 1:5 in Sachsen sind seit 2015 über 2.600 Erzieherinnen und Erzieher neu hinzugekommen. Durch die Einführung der mittelbaren pädagogischen Zeit werden weitere 1.400 pädagogische Fachkräfte gebraucht. Trotz aktuell hoher Ausbildungszahlen wird es eine Herausforderung sein, diesen Bedarf zu decken.

Die Attraktivität des Erzieherberufs zu steigern, neue Ausbildungsmodelle zu wagen sowie die Fachlichkeit und Professionalität zu wahren sind oft formulierte Ziele, wenn es um neue Wege geht, zukünftige Erzieherinnen und Erzieher auszubilden und zu gewinnen. Sie alle eint, dass sie einen stärkeren Fokus auf die Praxisorientierung und eine stärkere Bindung der Auszubildenden an die einzelne Kindertageseinrichtung legen. Die Zahlung einer Ausbildungsvergütung und die Verkürzung der Ausbildungsdauer bieten weitere Anreize.

All diese Aspekte wollen wir in einer gemeinsamen Veranstaltung näher beleuchten und freuen uns, dass Experten aus anderen Bundesländern über die Spezifika ihrer jeweiligen Modelle berichten werden. In sich darin anschließenden Workshops wollen wir mit Ihnen die Perspektiven und Herausforderungen neuer Ausbildungsmodelle erörtern:

  • Welche Faktoren machen eine Ausbildung überhaupt attraktiv?
  • Wie gelingt es, bei einer verkürzten Ausbildungsdauer das Kompetenzniveau zu wahren?
  • Und welche besonderen Rahmenbedingungen brauchen Quereinsteiger in den Beruf?

Wir freuen uns auf einen regen Austausch und spannende neue Gedanken zur Modernisierung der Erzieherausbildung in Sachsen.

Programm

Begrüßung

Juliane Pfeil-Zabel MdL | Sprecherin für Familienpolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

Patrick Schreiber MdL 
| CDU-Bildungsexperte und Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Sport des Sächsischen Landtages 

Grußwort

Christian Piwarz MdL | Sächsischer Staatsminister für Kultus

Impulsreferate

„Praxisintegrierte Erzieherinnen- und Erzieherausbildung in Baden-Württemberg“

Anette Krause Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

„Modellversuch Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen (OptiPrax) in Bayern“

Philipp Reichel Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in Bayern

„Praxisintegrierte Ausbildung zu „staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern für 0- bis 10-Jährige“ in Mecklenburg-Vorpommern“

Johanna Ehlers | Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern

Statement

„Wie das sozialpädagogische Ausbildungssystem für das Arbeitsfeld Kita modernisieren“

Prof. Dr. Anke König Deutsches Jugendinstitut / Projekt Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), München

Workshops

Workshop 1 - "Karriere in der Kita - was macht die Ausbildung attraktiv?"

Ute Ulrichsohn | Evangelische Schule für Sozialwesen, Bad Lausick

Die Berufswahl ist von vielen Faktoren abhängig. Dabei spielen spätere Vergütungs- und Aufstiegsmöglichkeiten eine wichtige Rolle, aber ebenso die Rahmenbedingungen der Ausbildung und der beruflichen Tätigkeit selbst. Praxisintegrierte Ausbildungsformate setzen neue Akzente in der Struktur der fachschulischen Ausbildung: eine Ausbildungsvergütung, die enge Bindung der Auszubildenden an die Einrichtungen und Träger sowie die Möglichkeit einer Verkürzung der Ausbildung können die Attraktivität deutlich erhöhen. Ist das der Weg der Zukunft?

Workshop 2 - "Qualität ist kein Zufall - wie kann die Ausbildungsqualität gesichert werden"

Manuela Liebig | TU Dresden, Fakultät für Erziehungswissenschaften

Die gelingende Kooperation der Lernorte Schule und Praxis gilt seit je her als Kernelement einer qualitativ hochwertigen Ausbildung. Diese Diskussion wird im Zuge der Debatte um eine praxisintegrierte Ausbildung noch einmal verstärkt. Für eine gelingende Kooperation sind verbindliche Curricula, zeitliche Ressourcen und eine angemessene Qualifizierung der Lehrkräfte sowie der Mentorinnen und Mentoren in der Praxis unabdingbar. Auch neue Ausbildungsformate müssen dabei den bundesweiten Anforderungen und Standards der KMK genügen und eine Einstufung der Ausbildung auf Niveaustufe 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens gewährleisten. Ist die derzeitige Ausbildungslandschaft für diese Herausforderungen gewappnet?

Workshop 3 - "Der 'andere' Einstieg in den Beruf - Qualifizierungswege für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger"

Jannes Boekhoff | Koordinationsstelle Chance Quereinstieg / Männer in Kitas, Berlin
Vortrag mit Ergebnissen: Wo geht's lang?

Die berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, umso mehr, als sich der Fachkräftebedarf in den Kitas immer weiter erhöht. Welche Hindernisse werden seitens der Auszubildenden wahrgenommen, die häufig mit Berufs- und Lebenserfahrung ausgestattet sind und sich bewusst für eine Tätigkeit in einer Kita entscheiden? Welche guten Ansätze gibt es in den Bundesländern? Wie können Hürden für die Einrichtungen gesenkt werden? Welche Herausforderungen sehen die Mentorinnen und Mentoren sowie die Lehrenden an den Fachschulen hinsichtlich berufsbegleitender Qualifizierungsmöglichkeiten?

Abschlusspodium

mit:

Juliane Pfeil-Zabel MdL | Sprecherin für Familienpolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

Patrick Schreiber MdL | CDU-Bildungsexperte und Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Sport des Sächsischen Landtages

und den drei Workshop-Moderatoren

Tagungsmoderation: Sandra Schulte | Koordinationsstelle Chance Quereinstieg / Männer in Kitas, Berlin