Die ersten Probleme sind gelöst

Das Deutsche Rote Kreuz baut Camps für Flüchtlinge

Die große Schlafhalle ist eng belegt.

Die Einrichtung einer ausreichenden Zahl an Unterkünften für die große Zahl an Flüchtlingen ist für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung. Vor allem drängt ständig die Zeit, weil die Menge an Menschen, die nach langer Fahrt und oft auch Fußwegen über die Grenzen kommen, weiterhin hoch ist.

Auf der anderen Seite müssen immer wieder neue Möglichkeiten erschlossen werden, weil viele Hallen schon belegt sind. Und der Aufbau von Container-Dörfern braucht einfach seine Zeit.

DRK-Krisenmanager Lars Werthmann in der neuen Leichtmetall-Unterkunft in Dresden-Klotzsche.

Lars Werthmann ist der Krisenmanager des DRK Sachsen. Seit der Einrichtung des Übergangscamps in Grillenburg mit 90 Plätzen waren er und sein Team mit nichts anderem mehr beschäftigt als dem Aufbau neuer Unterkünfte. Inzwischen betreut das DRK 33 Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen.

Das Einräumen eines solchen Camps ist bereits Routine geworden. In fünf Stunden hat ein Trupp von 20 Helfern 500 Plätze hergerichtet, sagt Werthmann. Ein Problem ist es aber, das Material dafür bereitzustellen. „Immerhin haben wir schon 25.000 Feldbetten aufgebaut“, bemerkt der Krisenmanager. Um schnell an eine Sendung von 6.000 Klappbetten aus China zu kommen, habe er sich schon bei der Bestellung an den deutschen Zoll gewandt, um die dringend benötigte Ware sofort nach Eintreffen verwenden zu können.

Eine Helferin sorgt für Kinderbeschäftigung.

Wenn es um Sanitärcontainer geht – Toiletten, Wasch- und Duschräume –, dann sondiert Werthmann den Markt in ganz Europa. Und die Dinger werden teuer: Im Frühjahr konnte man einen für 3.000 Euro kaufen; inzwischen gibt es sie nur noch zur Miete für oft mehrere tausend Euro im Monat. Das Helferdasein ist vor allem anstrengend. Anne Siebert kümmert sich stundenlang vor Ort um die Organisation. „Wir müssen Rede und Antwort stehen, dabei können wir selbst nicht sagen, wie es weitergeht.“ Und dann würden sie oft noch vor den Unterkünften von demonstrierenden Asylgegnern angefeindet. Das ist jedenfalls nicht mehr der lockere Job von Helfern, die ein Fußballspiel oder Kinderfest absichern und dafür rundum Anerkennung ernten.

Zu den besonderen Verdiensten, die sich das sächsische DRK erworben hat, gehört die Registrierung der Flüchtlinge. In Dresden bekamen die Menschen noch im Sommer Armbänder mit Strichcodes angelegt. Aber die waren oft nach kurzer Zeit abgeschnitten oder unkenntlich. Jetzt hat der Landesverband ein System mit Chipkarten entwickelt. Sie dienen überall als Ausweis – von der Einlasskontrolle bis zur Essenausgabe. Die Registrierung soll auch helfen, Familien zusammenzuführen, die im Laufe der Flucht getrennt wurden. (sr)

Flüchtlingshilfe als Wirtschaftsmotor

Die Leistungen für die Flüchtlingshilfe kurbeln in vielfältiger Weise die Wirtschaft an und sorgen für zusätzliche Arbeitsplätze. Als Erstes sind oft Handwerker gefragt, die Zäune und Verkehrsabsperrungen errichten, aber auch die Camps herrichten und instandhalten. Hallenbauer haben Hochkonjunktur. Einige Caterer, die Mahlzeiten anrichten, haben in neue Anlagen investiert, weil sich der Bedarf zum Teil vervielfacht hat. Wäschereien und Reinigungsfirmen freuen sich über große Aufträge. Selbst das DRK hat in Sachsen 800 Helfer hauptamtlich neu eingestellt. Die Industrie- und Handelskammer Dresden nennt außerdem vor allem das Bewachungsgewerbe sowie Busunternehmen, die Flüchtlinge befördern. Auch Immobiliengesellschaften und Unternehmen, die Flüchtlingsheime einrichten, profitieren von dem speziellen Boom.

Fotos: DRK Landesverband Sachsen e. V. / Marko Kubitz

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