So schafft Radebeul große Wirkung mit Einsatz im Kleinen

Seit vorigem Juni hat die Stadt Radebeul zwei Flüchtlingskoordinatoren eingestellt. Sie sind Anlaufstelle für Flüchtlinge in der Gemeinde und wollen auch Konflikten mit der Wohnbevölkerung vorbeugen. Die Stadt setzt auf dezentrale Unterbringung der Asylbewerber, und die Koordinatoren helfen bei der Wohnungssuche, für die sie immer wieder Angebote bekommen. Wenn klar ist, wer einziehen soll – das bestimmt der Landkreis –, organisieren sie Versammlungen für die Nachbarschaft. Eingeladen wird nicht über die Zeitung, sondern nur im kleinen Rahmen der angrenzenden Straßenzüge. Entsprechend übersichtlich sind die Treffen, und es gibt nur selten Abwehr, berichten sie. Man tastet sich eher vorsichtig aneinander heran. Auf der anderen Seite gehen die Koordinatoren mit den Mietern die Hausordnung durch und weisen sie in die Alltagsgebräuche in Mietshäusern ein. In manchen Fällen lief sogar eine kleine Nachbarschaftshilfe an. Kontakt suchen die Koordinatoren auch zu Vereinen. Nicht alle wollen sich Flüchtlingen und deren Kindern öffnen. Aber viele heißen sie willkommen. Sie haben sogar schon ein Fußballturnier mit 16 Teams organisiert. Badmintonturniere sind bereits ein geselliger Treff geworden. So kommen auch solche Menschen mit den Flüchtlingen in Berührung, die vorher eher Angst davor hatten.

Seit September bauen die Koordinatoren außerdem gemeinsam mit der Diakonie ein Patennetzwerk auf. Ganz wichtig ist dabei, dass die Starthelfer erst einmal selbst geschult werden. Die Unterstützung soll nicht nur gut gemeint sein, sondern wirklich gezielte Hilfe bringen. Solch intensiver Einsatz vor Ort scheint tatsächlich erfolgversprechend bei dem Bemühen zu sein, Flüchtlinge in die Gesellschaft hereinzuholen. Aus Görlitz kommen ähnlich positive Signale über die Möglichkeiten bei dezentraler Unterbringung. Jedenfalls ist der Einsatz unmittelbar vor Ort bisher wirkungsvoller als die Arbeit mancher Landkreise, die eben weiter weg agieren. Der Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth jedenfalls sieht das Geheimnis des Erfolgs der Koordinatoren in der Kleinteiligkeit, auch wenn diese Arbeit recht aufwendig sei. Er ist sicher: „Das Vorgehen von Radebeul macht sich gesamtgesellschaftlich bezahlt.“ (sr)

Ihr Feedback ist uns wichtig!
Fanden Sie den Artikel interessant?