Kultur trifft Wissenschaft: "Die Freude an Erkenntnissen haben beide gemeinsam."

Wissenschaft und Kultur: Zu oft wurden diese beiden Grundbegriffe menschlicher Existenz in der jüngsten Zeit gegeneinander ausgespielt. Auf der einen Seite das technokratische Streben nach Wissen ohne Skrupel, dort das selbstsüchtige Versinken in imaginäre Welten. Dass beide Bereiche aber eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig befruchten zeigte das Forum der CDU-Fraktion in der Reihe "Kultur trifft …" auf, das am 24. März 2014 in den Deutsche Werkstätten Hellerau stattfand.

Ein zahlreiches und hochkarätig besetztes Publikum, darunter der Präsident des Sächsischen Landtages, Matthias Rößler, hatte sich in der Galerie des Gebäude-Ensembles eingefunden, um den Reden der Referenten zu lauschen und in der Diskussion selber das Wort zu ergreifen.

Nach einer Einführung des Vorsitzenden des Fraktionsarbeitskreises für Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien, Professor Günther Schneider, ergriff der Generaldirektor der Staatlichen Kunststammlungen Dresden, Dr. Hartwig Fischer, das Wort. In seinem Impulsvortrag zeigte er zuerst die Schwierigkeit auf sowohl Wissenschaft als auch Kultur per Definition klar einzugrenzen. So bedinge sich schon das Gegensatzpaar Kultur-Natur: "Denn ohne Kulturtechniken wie Sprache oder Schrift könnten wir die Natur gar nicht erkennen und folglich auch keine Naturwissenschaft betreiben."

Die starke Bindung von Wissenschaft und Kultur betonte auch der Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Leipzig, Professor Joachim Thiery: "Die Wissenschaft ist Neugier des Menschen, um die Natur zu verstehen." Dabei verändert die Wissenschaft die Welt und unsere menschliche Gesellschaft. Doch um den wissenschaftlichen Fortschritt, seine Methoden und die Folgen zu verstehen und einzuordnen, braucht es unbedingt die Kultur, die eine Orientierung gebe. "Ohne sie würde ein Wissenschaftler seine Taten nicht einordnen können und liefe Gefahr, die Menschheit zu gefährden."

Hieran schloss sich eine Diskussionsrunde an, die von der kulturpolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion, Aline Fiedler, moderiert wurde. Professor Sabine von Schorlemmer, Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur, hob hervor, dass die beiden Bereiche in ihrem Haus nicht starr voneinander getrennt seien, sondern dass es zu Zwischenzonen käme: "Der Schutz von Kunst ist in Sachsen Verfassungsauftrag und werde innerhalb Deutschlands am meisten pro Kopf gefördert. Die Politik darf Kunst nicht nach ihren Ergebnissen finanziell sanktionieren, stattdessen müssen ihr Freiräume gewährt werden." Dafür kann Kunst als Integrationsmittel für eine Gesellschaft gelten und Probleme darstellen. So kündigte sie an, dass es einen neuen Kunstpreis geben werde, bei dem das Thema demografischer Wandel behandelt werden soll.

Die finanzielle Abhängigkeit von Künstlern vom Staat sprach auch die Schriftstellerin Ulrike Almut Sandig an. Diese seien notwendig, denn so können Künstler auch Werke kreieren, die nicht dem aktuellen Geschmack der Massen entsprechen. Daneben hob sie die Parallelen zwischen Künstlern und Wissenschaftlern hervor, die jeweils in ihrer eigenen kleinen Welt lebten und nur dadurch sich so mit einem Thema intensiv auseinandersetzen können: "Die Freude an Erkenntnissen haben beide gemeinsam."

Den Wert von interdisziplinärer Zusammenarbeit betonte Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Als Beispiel nannte er den Studiengang Arts Enginiering an seiner Hochschule und das viele Künstler wissenschaftliche Verfahren für ihre Kunstwerke nutzen. Im Gegenzug biete die Kultur der Wissenschaft Bewertungsmaßstäbe für ihre Erkenntnisse an." Allerdings, so betonte er, brauchen die Institutionen, die Kunst bewahren, selber Schutz: "Museen als Orte unserer kulturellen Selbstvergewisserung müssten auch in Zukunft gefördert werden."

Wie wichtig der Kontakt zwischen Kultur und Wissenschaft seien, wusste der Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Professor Michael Baumann, zu berichten: "Forschungserkenntnisse und -diskussionen innerhalb der Wissenschaft müssen auch nicht Nicht-Experten verstehen können, weshalb Journalisten und Künstler als Vermittler unabdingbar sind." Die Synergien zwischen Wissenschafts- und Kulturinstitutionen seien auch ein Alleinstellungsmerkmal und ein Vorteil des Dresden concept, was sehr gut funktioniere.

Den offiziellen Teil der Veranstaltung beschloss Geert Mackenroth, hochschulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, der in den inoffiziellen Teil des Abends überleitete, bei dem die spannenden Beiträge im informellen Kreise kontrovers diskutiert wurden.