"Der Vergangenheit eine Zukunft geben" – Kultur trifft Denkmalschutz in Dresden-Hellerau

Auf dem Podium: Politiker, Bauherren und Wissenschaftler debattieren über den Denkmalschutz in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft (© CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Pascal Ziehm, 2015).

Denkmäler legen Zeugnis über die Vergangenheit ab. Gleichzeitig repräsentieren Denkmäler einen Zeitgeist, den es gilt, nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dem Bewahren und Sichtbarmachen ist die Denkmalpflege verpflichtet. Zu deren aktuellen Herausforderungen diskutierten am 22. April 2015 im Gebäudeensemble der Deutschen Werkstätten Hellerau Experten, Bauherren, Politiker und zahlreiche Gäste.

"Denkmalschutz ist kein Sahnehäubchen, das man sich in guten Zeiten leisten und in schlechten lassen kann", bringt es Arnold Bartetzky, Fachkoordinator für Kunstgeschichte am Geisteswissenschaftlichen Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig, in seinem Vortrag auf den Punkt. So sei es staatliche Pflicht und Kernaufgabe, die dem Erhalt einer Art Gedächtnisspeichers dient. "Wenn ich Denkmallandschaften sehe, geht es mir gut, bin ich berührt", umreißt Bartetzky deren Wirkung auf sich und wohl viele Menschen. Denkmäler sind identitätsfördernd, wenn auch nicht zwangsläufig identitätsstiftend. "Das bröckelnde Grau-Schwarz des Sozialismus dominiert nicht mehr", beschreibt der Wissenschaftler die Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre, kritisiert allerdings, dass  zeitweise auch viele Denkmäler dem Abriss zum Opfer gefallen sind. Denn Denkmalschutz und dessen finanzielle Förderung haben auch einen Impulsfaktor für Regionen, deren Tourismus und die Wirtschaft. Dabei verweist der Referent auf Untersuchungen, wonach gut aussehende Städte trotz gleicher Wirtschaftskraft und Rahmenbedingungen besser dastehen als Städte mit weniger Ausstrahlung. Bartetzky lobt die Bemühungen des sächsischen Innenministers Markus Ulbig für den Denkmalschutz im Freistaat, die dank seines Einsatzes mehr und mehr auch über dessen Grenzen hinaus anerkannt werden.

Auf dem Podium nahmen Politiker, Bauherren und Wissenschaftler Platz, um zum Denkmalschutz in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu debattieren. Markus Ulbig, Sachsens Innenminister, rechnet vor: Auf 39 Bürger kommt im Freistaat ein Denkmal. Acht von zehn Denkmälern sind bewohnt. Inzwischen seien zwei Drittel davon saniert. "Das letzte Drittel, das sind die großen Brocken", so der für den Denkmalschutz zuständige Minister. Sachsen verfolge die Philosophie der kompakten Stadt, in der Historie und Wirkung miteinander in Einklang stehen, der Denkmalschutz von der Stadtentwicklung nicht zu trennen ist. Dass der Freistaat seine Aufgabe als Bauherr sehr ernst nehme, bescheinigte Angela Mensing-de Jong, Professorin für Entwerfen und Städtebau an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Sie vertritt einen interdisziplinären Ansatz und weiß, dass Denkmäler Halt und räumliche Orientierung geben könne, dass aber speziell das Thema Energie Lust und Last sein kann. "Es wird viel in die Entwicklung bestehender Bausubstanz investiert, auch wenn dies deutlich mehr kostet als auf der grünen Wiese neu zu bauen", ergänzt und bestätigt Prof. Dieter Janosch, Geschäftsführer des Staatsbetriebs Sächsisches Immobilien- und Baumanagement.

Nach Auffassung von Eberhard Burger, pensionierter Kirchbaurat und ehemalige Baudirektor für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, hat sich der Denkmalschutz seit den 1990er Jahren enorm verändert. Gerade die Dresdner Frauenkirche symbolisiert als Denkmal eine innere und äußere Wahrhaftigkeit. Ihr Wiederaufbau war ein "Wunsch, der im Herzen der Dresdner nie gelöscht war" und gilt mit der großen Spendenbereitschaft als einzigartiges Beispiel gesamtgesellschaftlichen Engagements. Ein Gast aus dem Publikum hebt die internationale Bedeutung der Bausubstanz der Landeshauptstadt hervor, durch die wie in kaum einer anderen Stadt deutsche und europäische Baugeschichte repräsentiert wird. Gleichzeitig wird der Wunsch laut, bereits Kinder und Jugendliche in der Schule Architektur näher zu bringen.

Für Bertram Schultze, Geschäftsführer der Leipziger Baumwollspinnerei, sind Denkmäler "Archive und Entschleuniger". Er selbst hat das Industriedenkmal gekauft, saniert und bezeichnet es heute als einen "Glücksfall für die Künstler", die darin leben und arbeiten. Der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Fritzsche, in der Fraktion verantwortlich für den Wohnungs- und Städtebau sowie die Landesentwicklung, formuliert es so: "Aktiver Denkmalschutz ist die Übernahme kultureller Verantwortung."

Dass sich die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude lohnt, bekräftigt auch ein Redner aus dem Publikum: "Es macht wahnsinnig viel Spaß mit dem Denkmalschutz zusammen zu arbeiten." Deshalb müsse das Image der Denkmalschutzbehörde in der Bevölkerung unbedingt verbessert werden.